ADC-Printjury "Das letzte Jahr war nicht repräsentativ"

Montag, 08. Mai 2017
Tobias Ahrens, Executive Creative Director von Grabarz & Partner, übernimmt dieses Jahr den ADC-Juryvorsitz in der Kategorie Print
Tobias Ahrens, Executive Creative Director von Grabarz & Partner, übernimmt dieses Jahr den ADC-Juryvorsitz in der Kategorie Print
Foto: Grabarz & Partner

Letztes Jahr eskalierte der Streit um die Print-Nägel beim ADC derart, dass der Club Maßnahmen ergreifen musste: Die Print-Kategorie wurde umstrukturiert, es gibt deutlich weniger Unterkategorien, außerdem können Kampagnen nicht mehr zusätzlich als Einzelmotive eingereicht werden. Was war passiert? Insgesamt vergab die überaus großzügige Print-Jury seinerzeit 43 Nägel - entschieden zu viel, konstatierten langjährige Club-Mitglieder. Selbst ADC-Präsident Stephan Vogel musste feststellen, dass "in der Print-Jury ein Klima des Wohlwollens herrscht." Noch deutlicher formulierte es damals Thjnk-Kreativvorstand Armin Jochum: "Das Verhalten der Print-Jury verzerrt nicht nur das Ergebnis, es beschädigt auch massiv das Ansehen des ADC als kreative Instanz."

Dieses Jahr soll alles anders werden. Dafür will Tobias Ahrens sorgen. Der Executive Creative Director von Grabarz & Partner ist Vorsitzender der Print-Jury. Wie er dafür sorgen will, dass dort strenger bewertet und keine Absprachen getroffen werden, verrät er im Interview mit HORIZONT Online.

"Die Nagelflut verzerrte das Ranking, und da hört der Spaß auf"

Der Print-Jury wurde voriges Jahr vorgeworfen, sie schade durch ihre großzügige Nagel-Vergabe dem Ansehen des ADC-Wettbewerbs. Dieses Jahr bist du Jury-Vorsitzender dieser Kategorie. Was wird sich ändern? Stimmt, die besondere Großzügigkeit der Jury 1 war vielen ein Dorn im Auge. Übrigens nicht nur im letzten Jahr, aber da wurde es dann definitiv übertrieben. Als Vorsitzender werde ich die Jury dazu anhalten, zwischen 5 und höchstens 10 Prozent der Einreichungen auszuzeichnen. Das ist kein Falschgeiz, sondern entspricht den Statuten des ADC und ist auch weltweit die Regel.

Du willst also der Nagel-Inflation einen Riegel vorschieben. Wie soll das gelingen? Die Nagelflut verzerrte das Ranking, und da hört der Spaß auf, für Club und Einreicher. Ein Grund dafür war, dass Arbeiten als Kampagne und zusätzlich als Einzelmotive eingereicht werden konnten. Ab diesem Jahr ist das nicht mehr möglich. Ein zweiter Grund waren mehr oder weniger offensichtliche Absprachen. Darauf werde ich speziell achten und – falls es vorkommen sollte – mit den jeweiligen Kollegen sprechen.

Du hast dir also fest vorgenommen, deine Co-Juroren umzuerziehen? Ich werde meinen Hund Tyson mitnehmen, der ist ziemlich groß, ziemlich kräftig und kann bei Bedarf ziemlich tief knurren. Nein, Spaß beiseite: mit Blick auf die diesjährige Jury 1 bin sehr optimistisch, dass dies nicht notwendig sein wird. Da sitzen durchweg sehr vernünftige, integre Kollegen. Tyson kann zu Hause bleiben, wir werden dieses Jahr mit mehr Augenmaß bewerten. 

Es gibt neun verschiedene Sub-Kategorien in der Print-Sparte des ADC. Sind das nicht immer noch viel zu viele? Ich denke nicht. Guckt man sich die Kategorien genauer an, machen die alle für sich total Sinn. Eine B2B-Anzeige gegen eine B2C-Anzeige antreten zu lassen wäre zum Beispiel nicht fair den Arbeiten gegenüber. Die gesonderte Bewertung der Craft-Kategorien halte ich auch für richtig. Und übrigens hat Print deutlich weniger Kategorien als zum Beispiel Out-of-Home, Film oder Digitale Medien. 

Anders als die ADC-Jury vom letzten Jahr sehen viele Print-Werbung bereits vom Aussterben bedroht. Welchen Stellenwert hat das Medium deiner Ansicht nach heute noch im Media-Mix? Gute Frage. Ich formuliere es mal so: im Media-Mix spielt Print immer noch eine wichtige Rolle weil: große Reichweite und im Fall von Special-Interest-Titeln auch eine sehr punktgenaue. Die Königs-Disziplin, die es mal war, ist es aber nicht mehr und wird es auch nicht wieder werden. Hauptgrund dafür ist sicherlich, dass man eine Anzeige so schlecht "verlinken" kann. Wer sich tiefer informieren will, muss das Medium wechseln – und bei diesem Schritt verliert man immer viele Interessenten.

Die Flut an Print-Nägeln führte letztes Jahr auch zu der Frage, ob digitale Arbeiten beim ADC generell unterrepräsentiert sind. Wie siehst du das? Ist der ADC zu analog? Das letzte Jahr sehe ich als Ausreißer und als nicht repräsentativ. Ich denke, der ADC ist erstens als Club und zweitens beim Award mit den vielen unterschiedlichen digitalen Kategorien richtig aufgestellt. Das diesjährige Festival wird das sicherlich beweisen. Ansonsten gilt: wer den ADC kennt, weiß das er sich ständig weiterentwickelt und optimiert. Ganz besonders beim Thema digitale Medien. Sollten wir feststellen, dass wir etwas nicht abbilden, werden wir diese Lücke schnellstens schließen. bu 

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