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Florian Haller, Serviceplan
Serviceplan

99 Frauen "34 Prozent sind ein Anfang. Aber noch nicht genug"

Florian Haller, Serviceplan
Bei der Serviceplan-Gruppe ist ein Drittel der Führungsposten weiblich besetzt, im General Management sind es 15 Prozent. Das muss mehr werden, sagt Gruppen-Chef Florian Haller - wie, erklärt er hier.
von Eva-Maria Schmidt, Donnerstag, 14. Dezember 2017

Bei den GWA-Agenturen ist die Hälfte der Mitarbeiter weiblich – nur 2 Prozent schaffen es ins General Management – vor einigen Jahren waren es 5 Prozent. Ihr Kommentar? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Die Zahl – wenn sie stimmt – wäre eine Katastrophe für unsere Branche. In der Serviceplan Gruppe liegen wir bei einem 15- prozentigen Frauenanteil im General Management. Der Anteil weiblicher Führungskräfte liegt bei 34 Prozent. Das ist ein Anfang, aber nicht genug. Wir wollen unseren weiblichen Führungskräfteanteil weiter ausbauen.

Ist Agenturmanagern bewusst, dass es ein Problem mit dem Thema Gleichberechtigung/ Gleichstellung in der Branche gibt? Ich habe schon den Eindruck, dass die Bedeutung des Themas „Frauenförderung“ in unserer Branche erkannt wird. Schließlich verlieren wir auf dem Weg nach oben viel zu viele weibliche Talente.

Wie haben sich die Chancen von Frauen, in Agenturen Karriere zu machen, in den vergangenen Jahren entwickelt? Das Verständnis, dass Frauen genauso gute (oder schlechte) Chefs sind, wie ihre männliche Kollegen hat sich in Agenturen längst durchgesetzt. Das Problem (die Herausforderung) besteht eher darin, die Rahmenbedingungen der Agenturarbeit so zu verändern, dass Familie und Beruf für Frauen UND Männer besser miteinander kombiniert werden können. Und da hängen manche von uns noch hinterher.

Was tut Ihre Agentur, um Gleichstellung zu fördern? Wie gesagt, wir versuchen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, dass Frauen – aber natürlich auch Männer -  in der entscheidenden Phase ihrer Karriere Familie und Führungsposition miteinander verbinden können. i) Wir bauen der Teilzeit-Möglichkeiten massiv aus, vor allem für Mütter versuchen wir maßgeschneiderte Modelle zu entwickeln. 70% aller Mütter in Führungspositionen kehren nach der Elternzeit in die Firma zurück. ii) Wir haben unsere Arbeitszeiten flexibilisiert und Mobile Office Angebote eingeführt. iii) Und, last but not least, haben wir spezielle weibliche Networking-Plattformen etabliert vom Roten Salon – das ist eine exklusive Veranstaltung für weibliche Kundinnen - zur Future Female Force (einer interaktiven, digitalen Online-Plattform mit wöchentlichen Aktionen und Updates.)

Welche Wirkung wird die aktuelle #MeToo-Diskussion haben? Wenn sie dazu führt, dass verstanden wird, dass übergriffiges Verhalten nicht toleriert werden darf, dann ist sie gut und hilfreich. Wenn sie suggeriert, dass Frauen grundsätzlich in der Opfer- und Männer grundsätzlich in der Täterrolle sind, dann ist sie kontraproduktiv.

Braucht die Agenturbranche eine Quote? Das hängt davon ab, was man damit meint. Eine Quote im Sinne von: wir messen und veröffentlichen den Anteil weiblicher Führungskräfte ist hilfreich, weil das Druck ausübt, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Eine Quote im Sinne von: wir stellen jetzt eine Frau ein, weil wir eine Frau einstellen müssen, ist nicht pragmatisch. Und am Ende der Sache auch nicht dienlich. Interview: ems

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