750 Millionen Euro-Etat WPP gewinnt Sanofis Media-Millionen - und kommt auch kreativ zum Zuge

Freitag, 18. August 2017
Sanofi-Standort in Berlin
Sanofi-Standort in Berlin
© Sanofi
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Sanofi hat seine weltweiten Etats für Media und Kreation neu vergeben. Der große Gewinner des Pitches, der vor einigen Monaten angestoßen wurde, ist WPP. Die Werbeholding von Sir Martin Sorrell schnappt sich nicht nur den globalen Mediaetat, sondern kommt auch im Kreativ-Business mit dem Pharmakonzern ins Geschäft. Auch Christoph Baron dürfte von dem Pitch-Ausgang angetan sein.

Bei Mindshare werden heute wohl die Sektkorken knallen. Das globale Media-Network der zu WPP gehörenden Group M hatte im Media-Pitch von Sanofi am Ende die Nase vorn. Wie das Unternehmen mitteilt, wird die Agentur künftig Planung und Einkauf des Konzerns in weltweit 60 Märkten übernehmen. Die Übergabe des Geschäfts an Mindshare ist für das 4. Quartal geplant. 

Mit Sanofi gewinnt Mindshare einen echten Big Spender. Nach HORIZONT-Online-Informationen beläuft sich der weltweite Mediaetat des Konzerns auf 750 Millionen Euro. In Deutschland, wo das Unternehmen vor allem für die Marken der Anfang 2017 übernommenen Consumer-Healthcare-Sparte von Boehringer Ingelheim wirbt, investiert Sanofi netto einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag im Jahr. 

Nicht zum Zuge kommt Mindshare in den USA und Japan. In den Vereinigten Staaten wird Havas das Geschäft für verschreibungspflichtige Medikamente und die strategische Planung für die Consumer-Healthcare-Sparte übernehmen. Beim Einkauf im Bereich Consumer Healthcare bleibt alles beim Alten. Hier will Sanofi auch in Zukunft mit der Agentur KWG zusammenarbeiten. In Japan hat sich die Agentur Hakuhodo durchgesetzt. 

Der große Verlierer des Media-Pitches ist dagegen Zenith. Die Publicis-Tochter hatte zuvor den Löwenanteil des globalen Etats betreut. Auch in Deutschland hieß der bisherige Betreuer Zenith. Die Publicis-Tochter muss nun das Geschäft an Mindshare abtreten. 

Christof Baron, Geschäftsführer Pilot Frankfurt
Bild: Pilot Frankfurt

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Dass Sanofi den größten Batzen seines Etats an Mindshare vergeben hat, dürfte vor allem einen freuen - nämlich Christoph Baron. Der langjährige Mindshare-Manager, der das Kapitel Pilot Frankfurt kürzlich wie berichtet nach rund einem Jahr beendete, hat bei Sanofi vor wenigen Tagen den Posten des weltweiten Mediachefs übernommen. Beim Pitch war er allerdings nicht involviert. Als er Anfang August bei Sanofi anheuerte, war die Entscheidung schon längst gefallen.

Auch der Pitch um den ebenfalls ausgeschriebenen  Kreativetat ging für WPP gut aus. Zwar bleiben die bisherigen Partner Publicis und Havas im Boot. Doch Sanofi, das mit einem Umsatz von 33,8 Milliarden Euro im Jahr 2016 zu den größten Pharmakonzernen der Welt gehört, will in Zukunft eben auch mit Kreativagenturen aus der WPP-Holding zusammenarbeiten. Welche genau das sind - zu WPP gehören unter anderem große Netzwerke wie Ogilvy, JWT, Young & Rubicam und Grey - ist noch unklar. In Deutschland will Sanofi je nach Produkt auf unterschiedliche Kreativagenturen setzen, teilt eine Sprecherin auf Anfrage von HORIZONT Online mit.

Dass WPP bei Sanofi einen Fuß in die Tür bekommen hat, könnte auch mit der gewachsenen Geschäftsbeziehung zu Boehringer Ingelheim zusammenhängen. WPP hatte zuletzt die Kampagnen für die Consumer-Healthcare-Sparte des Unternehmens mit Marken wie Buscopan und Mucosolvan entwickelt, die Sanofi übernommen hat. mas

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