Zwei Grand Prix bei den Film Lions

Montag, 23. Juni 2008
McCann-Erickson in San Francisco und Fallon London gewinnen je einen Grand Prix
McCann-Erickson in San Francisco und Fallon London gewinnen je einen Grand Prix

Mit gerade mal zwei Bronzelöwen fällt die Bilanz der deutschen Agenturen bei den Film Lions nicht besonders gut aus. Nachdem Nordpol im letzten Jahr einen goldenen Löwen in der als Königskategorie geltenden Disziplin geholt hatte, waren die Erwartungen jedoch auch höher als bisher. Traditionell wird diese Wettbewerbssparte von den USA dominiert, die auch in diesem Jahr die meisten Film-Lions abräumten. Großbritannien folgt mit Abstand. Die Gewinner der Edelmetalle, die 2008 dennoch auf deutsche Konten gehen, sind Jung von Matt mit „Symphony in red" für das Konzerthaus Dortmund (Produktion: Sehsucht) und die Red Rabbit Werbeagentur mit dem von Rokkit in London produzierten Spot „Tentacle" für das Hilfsprojekt Dunkelziffer. „Diese beiden Spots haben besonders durch ihre visuelle Kraft gepunktet", erklärt der deutsche Juror Ingmar Bartels. Der Kreativdirektor von Nordpol hatte das Amt in der Jury kurzfristig von seinem Kollegen Lars Rühmann übernommen. Er selbst hält die Bilanz hiesiger Werbeschmieden für keine schlechte Ausbeute. „In der Kategorie Film kann man schon sehr stolz sein, wenn man es auf die Shortlist schafft." Insgesamt schafften es 18 deutschen Arbeiten ins Finale.

Die Gratwanderung zwischen den Shortlist-Nominierungen und einer Bronzemedaille sei dann umso schwieriger, so Bartels. Welche Arbeiten das Zeug zum goldenen Löwen oder gar zu einem Grand Prix haben, kristallisiere sich dagegen schneller heraus.  Insgesamt vergab die Jury 21 goldene, 33 silberne und 52 bronzene Löwen - deutlich mehr als im Vorjahr, als 80 Trophäen verliehen wurden. Die Vermutung, dass 2008 mehr Löwen verteilt wurden, weil erstmals auch Internet-Filme im Rennen waren, scheint nicht richtig. Denn insgesamt holten die sogenannten Non-Broadcast-Filme nur drei Trophäen - darunter allerdings ein Grand Prix. Als bester Beitrag in diesem Bereich ging die Kampagne „Halo 3" aus dem Wettbewerb hervor, die McCann-Erickson in San Francisco für das X-Box-Spiel von Microsoft realisiert hat.


Einen weiteren Grand Prix gab es für den viel diskutierten Gorilla-Spot von Fallon London für Cadbury. „Die Tatsache, dass es zwei Grand Prix gibt, ist keinesfalls aus Entscheidungsschwäche entstanden", betont der australische Juror Ted Horton von Big Red. Stattdessen hätten die Arbeiten ihn und seine Kollegen auf sehr unterschiedliche Weise überzeugt. Die Spots für „Halo 3" fordern allein durch ihre Länge von jeweils drei Minuten zu einer konzentrierten Rezeption auf. „Sie stimmen nachdenklich und machen Lust auf das beworbene X-Box-Spiel", so Bartels. „Der Gorilla-Spot dagegen ist ein hervorragendes Stück gute Unterhaltung", ergänzt Jurypräsident Craig Davis. „Die Cannes Lions sind ein Festival, bei dem es darum geht, tolle Arbeiten zu feiern", meint der Chief Creative Officer von JWT. „Warum soll man also nicht zwei Grand Prixs vergeben?" Zu einer festen Regel soll die Doppelspitze jedoch nicht werden.


Bei allem Lob für die Siegerspots gab es um den Beitrag für Cadbury dennoch Diskussionen. „Natürlich kann man kritisieren, dass bei einem Schlagzeug spielenden Gorilla der Link zum Produkt Schokolade zu schwach ist", gibt Bartels zu bedenken. Laut der Begründung seiner Jurykollegen sorgt der Spot aber für einen „Moment des Genusses" - und das passe zu Cadbury Chocolate. „Die Film Lions zeichnen eindeutig Kreativität aus und nicht Effektivität", fügt Davis hinzu. Außerdem sei der Mut des Kunden beim Umgang mit seiner Marke nicht zu unterschätzen.


Ein weiterer Spot, der das Zeug zum Grand Prix gehabt hätte, ist „Tan Hong Ming" von Leo Burnett in Kuala Lumpur. Der Film, der die Liebesgeschichte eines kleinen Jungen erzählt, fällt jedoch in die Sparte Public Services und kann deshalb über einen goldenen Löwen nicht hinaus kommen. „Mit Themen aus diesem Bereich kann man die Zuschauer natürlich leichter berühren", meint Bartels. „Die Regelung, dass es für Arbeiten aus dem Bereich Public Services keinen Grand Prix geben kann, ist vollkommen legitim."

Im Ranking der erfolgreichsten Produktionsfirmen, das aus den gewonnen Löwen und Shortlisplätzen in der Wettbewerbssparte Film hervorgeht, liegt MJZ in den USA vorne. Auf den Rängen folgen RSA Films, ebenfalls USA, und Gorgeous Enterprises in London. Deutschland ist in den Top 10 nicht vertreten.
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