"Zombie-Kreation": Kassaei erntet Verständnis - und Kritik

Mittwoch, 24. Juni 2009
Jan Leube
Jan Leube

In der von DDB-Kreativchef Amir Kassaei losgetretenen Debatte um deutsche Award-Werbung melden sich weitere Agenturmanager zu Wort. Kassaeis Vorwurf, deutsche Award-Werbung sei "Zombie-Kreation", die nur für Grabkammern tauge und in der realen Welt in sich zusammenfalle, stößt zum Teil auf Verständnis, bei manchem aber auch auf offene Ablehnung. "Ob Club der Innovatoren, kreative Unternehmensberatung oder Zombie-Kreation - man merkt, dass Kassaei eher Stratege ist als Texter", kommentiert etwa Jan Leube, Chief Creative Officer bei BBDO Berlin, den jüngsten Vorstoß des ADC-Sprechers. In Cannes würden jährlich die frischesten Erzählformen gesucht, die den Ruhm und den Umsatz von Marken mehren. Alles, was irrelevant sei, werde ohnehin durch den dortigen Markt bereinigt, glaubt Leube. "Gerade jetzt, da die klassischen Bezahlbühnen zunehmend in die Knie gehen, wird Content, der so compelling ist, dass er sich von alleine durchsetzt, zur einzig wichtigen Währung in der Attention Industry formerly known as Advertising", meint Leube. Jedes Rumhacken auf Schaltplänen und Nationalitäten sei nicht nur irrelevant und langweilig, sondern auch politisch durchschaubar.

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Stefan Schmidt
Stefan Schmidt
Etwas anders sieht das Stefan Schmidt. Der Chief Creative Officer von TBWA Germany hält es für hinlänglich bekannt, dass "wenn es hoch kommt vielleicht 5 Prozent deutscher Arbeiten, die Preise gewinnen, tatsächlich für ein relevantes Publikum gemacht wurden". "Der Rest, und so verstehe ich Amir hier, ist höchstens in Grabkammern geschaltet worden, damit sie Einreichekriterien bestehen." TBWA halte dieses Vorgehen für unseriös. Die Rankings, die sich daraus ergeben, seinen geradezu lächerlich, so Schmidt.

Weiterlesen: Das sagt Bert Peulecke, Y&R Germany



Bert Peulecke
Bert Peulecke
Eine ähnliche Meinung vertritt Bert Peulecke, Chief Creative Officer bei Y&R Germany: "95 Prozent aller Arbeiten, mit denen die Deutschen ihre Kreativpreise gewinnen, würde ich eher als Vampir-Kreation bezeichnen, weil sie nie das Tageslicht erblicken, sondern nur in dunklen Jury-Räumen zum Bewerten gezeigt werden", so Peulecke. Hingegen sei der Großteil der Kampagnen, die im Tagesgeschäft aller Agenturen entstehen, wirklich gruselig! "Wenn diese Zombie-Kreation die Qualität der Vampir-Kreation hätte, könnte man endlich wieder angstfrei fernsehen!", lästert Peulecke. jf/mas
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