Zahme Cannes Debatte: Sir Martin diskutiert mit Google & Co.

Freitag, 20. Juni 2008
V.l.: De Castro (Google), Schneider (Yahoo), Sorrell, Johnson (Microsoft), Grant (AOL)
V.l.: De Castro (Google), Schneider (Yahoo), Sorrell, Johnson (Microsoft), Grant (AOL)

Vor einiger Zeit hatte Sir Martin Sorrell, CEO der Agenturholding WPP (Ogilvy, JWT, Y&R), Google als “Frenemy” - kurzfristig Freund, langfristig Feind der Agenturen - abgekanzelt. Als Moderator der diesjährigen Podiumsdiskussion erwies sich der sonst so angriffslustige Sir Martin als ungewohnt zahm - genauso wie seine Mitdiskutanten. “From Metrics to Brand Build – Online´s next Challenge” lautete der Titel der Podiumsdiskussion. Er hätte genauso gut heißen können: “Wir haben uns alle lieb”. Statt des erwarteten verbalen Schlagabtauschs nutzten AOL-COO Ron Grant, Kevin Johnson, Chef der Platform und Services-Division von Microsoft, Hilary Schneider, Executive Vice President Yahoo, und Henrique de Castro, Europa-Verkaufschef von Google, die Gelegenheit im großen Auditorium im Palais des Festivals vor allen Dingen dazu, den anwesenden Werbern zu versichern, dass das Online-Business für Agenturen mehr Chancen als Risiken bedeute. ”Wir sind eine Technologiefirma, kein Medienunternehmen”, so Google-Manager Castro.

Auch Microsoft-Manager Johnson betonte, dass es nicht im Interesse des Software-Giganten sei, Agenturen mit dem Aufbau eigener Plattformen Geschäft wegzunehmen – auch wenn das erklärte Microsoft-Ziel ist, in absehbarer Zeit 25 Prozent des Umsatzes mit (Online-)Anwendungen zu machen. Johnson: ”Unser Erfolg beruht seit jeher auf Partnerschaften. Wir waren immer gute Partner der Agenturen. Daran wird sich nichts ändern.”

Ähnlich politisch korrekt kommentierte Yahoo-Managerin Schneider die von Sorrell befürchtete Monopolstellung von Google und Yahoo im Online-Werbemarkt. Die überraschende ”Liebesaffaire” (Sorrell) der beiden Unternehmen interpretierte Schneider als Versuch, ”noch besser die Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten erfüllen zu können”. Keine Rede vom derzeit mit knallharten Bandagen ausgetragenen Kampf zwischen Microsoft und Google um die Vorherrschaft im Internet.

Auch über die Microsoft-Strategie nach dem gescheiterten Yahoo-Deal erfuhr man nichts Neues. Microsofts Fokus, so Johnson, beruhe weiter darauf, ”sich weiterhin schnell im Markt zu bewegen”. Sorrells Konklusio der einstündigen Diskussion: Erstens dürfe man sich im Netz nicht scheuen, auch mit potenziellen Konkurrenten zu kooperieren (”No fear”). Und zweitens müsse man deshalb einander vertrauen (”Trust us”). vs/jm
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