"Wir müssen mehr Intelligenz in die Agenturen bekommen" – Frank-Michael Schmidt zum "War for Talents"

Mittwoch, 16. Januar 2013
Agenturchefs Figge, Kolle, Leonhard und Schmidt - v.l. (Foto: F. Vogel)
Agenturchefs Figge, Kolle, Leonhard und Schmidt - v.l. (Foto: F. Vogel)

Sind Werber wirklich alle Berufsoptimisten? Nein. Nicht mehr. Die Realität hat die Branche eingeholt. Beim gestrigen Branchentalk zum Thema „30 Jahre HORIZONT – 30 Jahre Werbung“ im Rahmen des Deutschen Medienkongresses zeigten sich die früheren Preisträger des HORIZONT Awards Peter Figge, Stefan Kolle, Lothar Leonhard und Frank-Michael Schmidt nachdenklich. „Werber finden alles immer super. Dieses Bild hat sich 2012 gewandelt“, sagt Kolle, Mitinhaber der Hamburger Agentur Kolle Rebbe. Kaum einer wagt für die Zukunft noch euphorische Prognosen.
Stefan Kolle und Lothar S. Leonhard (Foto: F. Vogel)
Stefan Kolle und Lothar S. Leonhard (Foto: F. Vogel)
Der Chairman von Ogilvy & Mather, Lothar S. Leonhard, bringt es auf den Punkt: „Der Markt wächst nicht mehr. Deshalb wird 2013 natürlich anstrengend.“ Ein Fünkchen Optimismus hat sich immerhin JvM-CEO Peter Figge bewahrt: „Wir sehen zurzeit viele Risiken, aber auch große Chancen.“ Die Globalisierung würde ebenso neue Wachstumfelder eröffnen wie die fortschreitende Digitalisierung.

Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends (Foto: F. Vogel)
Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends (Foto: F. Vogel)
Das Thema Internationalisierung ist auch für Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends, der wichtigste Motor – und zwar nicht nur für Networks, sondern auch für Inhaberagenturen. Hier sieht er den deutlichsten Unterschied zu den vergangenen Jahrzehnten: „Deutschland hat es bisher nie geschafft, aus eigener Kraft ein großes, internationales Netzwerk aufzubauen. In diesem Jahrzehnt könnte das gelingen.“

Die Deutschen als Global Player – eine schöne Vorstellung, bei der es allerdings ein Problem geben könnte: Die verzweifelte Suche der Agenturen nach hochkarätigen Mitarbeitern. Während die Werbebranche vor 30 Jahren noch als wahnsinnig sexy galt, tobt heute ein gnadenloser War for Talents. „Die Attraktivität unserer Branche für High Potentials ist dramatisch gesunken“, stellt Schmidt fest. Unsere größte Herausforderung in den nächsten Jahren wird es sein, dass wir wieder Intelligenz in die Agenturen bekommen.“

JvM-CEO Peter Figge (Foto: F. Vogel)
JvM-CEO Peter Figge (Foto: F. Vogel)
Für Figge steht fest, dass dieses Imageproblem hausgemacht ist: „Es ist noch genauso spannend, in der Werbung zu arbeiten wie vor 30 Jahren. Mehr noch: Es gibt heute wahnsinnig viele Möglichkeiten und vielfältige Berufsfelder. Wir müssen das nur stärker kommunizieren.“ Denkbar sei hier eine aufmerksamkeitsstarke Dachkampagne aller Kommunikations- respektive GWA-Agenturen, die sich gezielt an kreative Talente richtet. bu
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