Werbefilmproduktionen: Markenfilm bleibt die Nummer 1 / Abstand zu Mood & Motion wird größer

Mittwoch, 16. Juni 2010
Erfolgreiches Duo: Florian Beisert (l.) und Johannes Bittel von Markenfilm
Erfolgreiches Duo: Florian Beisert (l.) und Johannes Bittel von Markenfilm

Deutschlands Werbefilmer haben die Wirtschaftskrise mit einem Umsatzrückgang von 3,1 Prozent relativ glimpflich überstanden. Das Marktvolumen lag im Geschäftsjahr 2009 bei knapp 281 Millionen Euro. 2008 erzielten die Top 30 noch rund 290 Millionen Euro. Branchenprimus Markenfilm konnte seine Pole Position nicht nur verteidigen, sondern hat auch den Abstand zum Zweitplatzierten, der Frankfurter Holding Mood & Motion, signifikant ausgebaut.
Die Top 30 der deutschen Produktionsfirmen (zum Vergrößern bitte anklicken)
Die Top 30 der deutschen Produktionsfirmen (zum Vergrößern bitte anklicken)
Das in Wedel bei Hamburg ansässige Unternehmen Markenfilm erzielte einen Umsatz von 51,6 Millionen Euro, was einem Rückgang von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei hat es die Gruppe nicht zuletzt ihren erfolgreichen Töchtern BM8 und Erste Liebe zu verdanken, dass am Ende des Jahres das Minus unterm Strich nicht allzu groß geworden ist. Weniger Glück mit ihren Töchtern hatte hingegen die Frankfurter Holding Mood & Motion, zu der die Produktionsfirmen Neue Sentimental Film (NSF) und Telemaz sowie ausländische Niederlassungen in Österreich, Spanien und Mexiko zählen. Das Netzwerk bilanziert einen Umsatz von 29,7 Millionen Euro - 34,1 Prozent weniger als 2009. Insbesondere die Firmen in Spanien und Mexiko hätten im 1. Halbjahr 2009 den Druck zu spüren bekommen, erklärt Vorstandsvorsitzender Tom Gläser.

Auf ein besonders erfolgreiches Jahr blickt die Nummer 3 zurück. Tempomedia konnte 2009 einen Zuwachs von 20,9 Prozent auf 28,3 Millionen Euro verzeichnen. Geschäftsführer Ralf Schipper begründet die positive Entwicklung unter anderem damit, dass seine Firma das Glück habe, in mehreren Produktionspools von Unternehmen wie Audi, General Motors und Henkel Mitglied zu sein. Es werde zwar auch innerhalb solcher Pools gepitcht, aber man erhalte häufiger die Chance, sein Angebot überhaupt abgeben zu dürfen.

Grundsätzlich klagen die Werbefilmer über den anhaltenden Kostendruck, sinkende Budgets und knappe Timings. „Für den gleichen Umsatz müssen wir deutlich mehr arbeiten", betont Helmut Hartl, Mitinhaber von Embassy of Dreams in München. Sein Unternehmen hat im März dieses Jahres den Konkurrenten Gap Films übernommen. Gemeinsam belegt die neu formierte Gruppe den 4. Platz im Umsatzranking.

Darüber hinaus beschäftigt die Produzenten der wachsende Bedarf an interdisziplinären Projekten im Bewegtbildbereich. Schließlich ist es längst nicht mehr nur der klassische 30-Sekünder, den die Unternehmen von den Werbefilmproduzenten einfordern, sondern auch Image- und PR-Filme sowie digitale Sonderformate für Internet, iPhone, iPad und Co. „Die Verwertungskette wird immer umfangreicher - man dreht inzwischen Material für den Einsatz in den unterschiedlichsten Medien. Wer das nicht anbieten kann, wird früher oder später ein Problem haben", sagt Markenfilm-Chef Beisert.

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Das aktuelle Ranking zeigt aber auch, dass die Expansion in Richtung digitale Medien momentan noch nicht unbedingt notwendig ist, um im Werbefilmgeschäft erfolgreich zu sein. So hat mit Soup Film eine klassisch positionierte Produktionsfirma das größte Umsatzwachstum erzielt. Die Berliner verbuchten ein Plus von 47,9 Prozent und schafften mit 10,5 Millionen den Sprung in die Top 10. Zu den weiteren Aufsteigern zählen Bakery Films im Hamburg, Film Deluxe in Berlin und Erste Liebe in Hamburg. Verloren haben hingegen Twin Film in München, Big Fish in Berlin und Tony Petersen Film in Hamburg.

Im Kreativranking der Werbefilmproduzenten steht ebenfalls Markenfilm an der Spitze, gefolgt von Trigger Happy Productions und Big Fish. bu
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