Wegen Unruhen: Levi's stoppt "Go Forth" in Großbritannien

Mittwoch, 10. August 2011
Demonstrant gegen Polizei - wegen dieser Szenen in "Go Forth" zieht Levi's die Notbremse
Demonstrant gegen Polizei - wegen dieser Szenen in "Go Forth" zieht Levi's die Notbremse


Mit der gestern gestarteten weltweiten Kampagne "Go Forth" wollten die Jeans-Marke Levi's und der Berliner Regisseur Ralf Schmerberg eigentlich einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Nun müssen das Unternehmen und der preisgekrönte Filmemacher erfahren, wie schwierig ihr Vorhaben umzusetzen ist: Laut einer Meldung des Branchendienstes "Advertising Age" wurde in Großbritannien der Start der Kampagne aufgrund der schweren Auschreitungen in London und anderen britischen Städten auf umbestimmte Zeit verschoben. Grund: In dem Video "Legacy" sieht man Szenen von Demonstrationen und Polizeiaufmärschen.
Angesichts der verstörenden Vorgänge im Londoner Stadtteil Tottenham erscheinen die Bilder aus dem Spot unangemessen. Diese zeigen keine explizite Gewalt, transportieren aber die nervöse Spannung kurz vor dem Zusammenstoß von Demonstranten und Polizei. Gedreht hat Regisseur Schmerberg die Bilder während der alljährlichen Mai-Krawallen in Berlin. Offensichtlich ist den Verantwortlichen schon allein deswegen die Nähe des Spots zu realen Ereignissen nun zu groß geworden. Die bereits im Social Web veröffentlichte UK-Version des Videos wurde daher um die Demo-Szenen gekürzt. Bis auf Weiteres werden alle Kommunikationsmaßnahmen - TV, Kino und Facebook - in Großbritannien auf Eis gelegt.

"Wir stehen in Verbindung mit allen Teilen der Welt und wollen sensibel darauf reagieren, was in Großbritannien und besonders in London passiert", sagte Levi's-Marketingchefin Rebecca Van Dyck gegenüber dem Branchendienst. "'Go Forth' soll die Energie und Vorgänge unserer Zeit verkörpern, aber es ist kein politisches Thema. Es geht dabei eher um den Pioniergeist." Und Len Peltier, Creative Director bei dem Jeans-Unternehmen, ergänzt, dass die in den geschnittenen Szenen gezeigten Geschehnisse als "positive Handlung" zu verstehen seien.

Es geschieht nicht zum ersten Mal, dass eine Werbekampagne aufgrund aktueller Ereignisse eingedampft werden muss. Im vergangenen Jahr stoppte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) einen Spot, der kurz vor dem verheerenden Erdbeben auf Haiti an den Start ging und Bilder von Zerstörung zeigte. Inhaltlich eine Anspielung auf die Wichtigkeit des Handwerks, angesichts der realen Zerstörungen aber unangebracht, entschied der ZDH und legte den Spot auf Eis. ire
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