Wachsen Inhaberagenturen stärker? Ogilvy-Chef Strerath antwortet den Unabhängigen

Freitag, 23. März 2012
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Warum Inhaberagenturen stärker wachsen als Networks wollte HORIZONT.NET nach der Veröffentlichung des Rankings der Inhaberagenturen von den Chefs der unabhängigen Dienstleister wissen - und bekam jede Menge kluge Antworten. Nun meldet sich Thomas Strerath, CEO der Network-Agentur Ogilvy Deutschland zu Wort. Tenor seiner Replik auf HORIZONT.NET - und die Manager der unabhängigen Agenturen: „Denn sie wissen nicht, was sie tun". Wir Werber neigen zur Simplifizierung, vielleicht können wir nichts anderes. Und deswegen machen uns einfach Stereotype soviel Spass. Journalisten - in diesem Fall HORIZONT.NET - wollen wissen, was denn die inhabergeführten Agenturen soviel besser machen, als die leidgeprüften vor sich hin darbenden Networks. Vielleicht etwas schwarz-weiss-gemalte Recherche, aber irgendeinen Grund muss es doch geben, dass die Networks schlechter performen als die gerade gehypten Agenturen, wo der Ansprechpartner angeblich noch so heisst, wie die Agentur selbst.

Und außer Michael Trautmann, der das Pendel auch wieder zurückschlagen sieht, tappen sie fast alle in die Falle und antworten mit den beiden nächsten Stereotypen: 1. Profitvorgabe der Holdings bei den Networks, 2. Unternehmertum bei den Inhabern. Dabei würde uns ein Blick ins Ausland - und wo doch jetzt alle so super international sind, kann das ja so schwer nicht sein - lehren, dass wir in Deutschland in einer Ausnahmesituation sind. Überall sonst dominieren trotz der gleichen Holdingvorgaben die Networks.

Auch ist nicht anzunehmen, dass beispielsweise die Briten oder Chinesen per se schlechtere Unternehmer wären. Insider wissen zudem, dass die Gewinnerwartungen der Inhaber an ihre Agentur sich jederzeit mit beispielsweise der von Martin Sorrell an uns vergleichen lassen kann. Sie wissen zudem, dass die unternehmerische Beteiligung der Partner in Inhaber-Agenturen stark an den Aktien-Programmen der Networks für Führungskräfte angelehnt sind. Mit dem entscheidenen Vorteil, dass diese jederzeit an der Börse frei handelbar sind.

Wie es aussieht, wenn viele Anteilseigner plötzlich - zur Unzeit - ihre unternehmerischen Beteiligungen versilbern wollen, hat das Beispiel Springer & Jacoby gezeigt. Eine Gefahr, die Networks nicht kennen. Beide Stereotype sind also keine guten Argumente und so beschleicht einen das Gefühl, dass viele der Inhaber gar nicht so genau wissen, was der Grund ihres aktuellen Erfolges ist. Es scheint, als surfen manche auf der Bugwelle, die wenige Agenturen wie JvM oder Heimat mit einem hervorragenden Produkt und cleverem Award-Marketing erzeugen. Oder sie wollen nur davon ablenken, dass ihre Grösse und Komplexität mittlerweile die vieler Networks überragt. Dann macht die Argumentation natürlich Sinn. Aber da mache ich es mir wohl zu einfach. Bin halt ein Werber. Thomas Strerath
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