WPP und Publicis wachsen dank Zukäufen

Mittwoch, 29. April 2009
Publicis-Chef Maurice Lévy
Publicis-Chef Maurice Lévy

BL2# Nach Omnicom und Interpublic haben jetzt auch WPP und Publicis die Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt. Damit liegen die Ergebnisse der vier größten Werbe-Holdings vor und geben Aufschluss darüber, wie sehr sich die weltweite Rezession aufs Werbegeschäft auswirkt. Während Omnicom und Interpublic zweistellige Umsatzverluste hinnehmen mussten, vermelden WPP und Publicis Zuwachsraten. Allerdings sind diese hauptsächlich auf Akquisitionen zurückzuführen. Im Detail erhöhte WPP seine Umsätze währungsbereinigt um 11,1 Prozent auf rund 2,1 Milliarden britische Pfund (2,35 Milliarden Euro laut Wechselkurs vom Tag der Bilanzveröffentlichung am 28. April 2009). Das organische Wachstum (ohne Firmenkäufe) war dagegen mit minus 5,8 Prozent negativ. Bei Publicis kletterten die Umsätze um 1,3 Prozent auf rund 1,08 Milliarden Euro. Das organische Wachstum sank auf minus 4,4 Prozent.

Am stärksten wuchs das WPP-Geschäft in Kontinentaleuropa (ohne Großbritannien). Hier legte der britische Werbekonzern, zu dem Agenturnetzwerke wie Ogilvy One, Ogilvy & Mather, Young & Rubicam, Grey, JWT und Burson Marsteller gehören, währungsbereinigt um 24,6 Prozent auf 608 Millionen Pfund (676 Millionen Euro) zu. Im Heimatland Großbritannien betrug das Plus 16 Prozent, in der Region Asien-Pazifik, Lateinamerika, Afrika und Nahost lag es bei 15 Prozent. Dagegen reduzierten sich die Umsätze in Nordamerika um 0,9 Prozent.

Im Detail litten insbesondere die Märkte Spanien, Italien und Dänemark. In Russland hielt das Wachstum trotz Wirtschaftskrise an. In China, Indien, Brasilien, Argentinien, Mexiko und Kolumbien blieben die Erlöse in etwa gleich.

Innerhalb der Konzernbereiche war der Sektor Information, Insight & Consultancy mit einer Umsatzverdoppelung auf 552 Millionen Pfund (614 Millionen Euro; 2008: 252 Millionen Euro) der große Gewinner. Grund war die Übernahme des Markforschungsunternehmens TNS Ende Oktober 2008. Die anderen Bereiche schrumpften dagegen leicht: Der Sektor Advertising, Media Investment Management um 3,5 Prozent und Public Relations & Affairs um 4,3 Prozent. Der Bereich Branding & Identity, Healthcare and Special Communications, der unter anderem die Dialog- und Online-Marketingaktivitäten der Gruppe beinhaltet, musste sogar ein Umsatzminus von 5,1 Prozent hinnehmen.

In der Folge erhöhten sich die Schulden im ersten Quartal um 1,34 Milliarden Pfund auf 3,41 Milliarden Pfund (3,8 Milliarden Euro), was hauptsächlich auf die Akquisitionen der letzten Monate zurückzuführen ist. Nach WPP-Angaben schlug allein der Kauf von TNS mit 1,6 Milliarden Pfund (1,78 Milliarden Euro) zu Buche. Für das zweite Halbjahr erwartet Konzernchef Martin Sorrell eine leichte Verbesserung des Geschäfts. Eine Erholung sei erst 2010 zu erwarten. Langfristig hält der Brite aber an seinem Ziel fest, die operativen Gewinne jährlich um 10 bis 15 Prozent zu steigern.

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Bei Publicis wuchs das Geschäft am meisten in Nordamerika (plus 13 Prozent) und in der Region Nahost und Afrika (12,8 Prozent). Dagegen gingen die Umsätze in Europa (minus 11,6 Prozent), Lateinamerika (minus 2,1 Prozent) und Asien-Pazifik (minus 1,6 Prozent) zurück. Besonders stark betroffen war - wie bei WPP - Südeuropa, wo sich das organische Wachstum um 20,5 Prozent reduzierte, während das Geschäft in Osteuropa mit einem Plus von 14,8 Prozent weiter zunahm. In Deutschland blieben die Umsätze mit einer leichten Verbesserung um 0,9 Prozent stabil.

Der Anteil des digitalen Geschäfts erhöhte sich weltweit auf 20,5 Prozent nach 17,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das klassische Werbegeschäft trug 38 Prozent zum Konzernumsatz bei. Der Schuldenstand kletterte leicht auf 1,097 Milliarden Euro nach 1,077 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Nach Ansicht von Publicis-Chef Maurice Lévy wird der Tiefpunkt bereits in diesem Sommer durchschritten, sodass sich das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich leicht verbessere. Ab Mitte 2010 könne man dann von einer Erholung sprechen. brö
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