WPP hat sein Ziel bei Y&R fast erreicht

Dienstag, 09. Mai 2000

Beim Übernahmepoker um die letzte große unabhängige Werbeagentur Young & Rubicam (Y&R) überschlagen sich die Ereignisse. Der "weiße Ritter" Publicis, der nach dem Scheitern der Verhandlungen mit WPP von Y&R-Chef Tom Bell als Retter aus der Not aus dem Ärmel gezaubert wurde, ist den neusten Meldungen aus den USA und UK zufolge nun endgültig raus aus dem Rennen. Die Gespräche mit WPP dagegen sind in die Endrunde gegangen. Die Übernahme von Y&R durch die Werbeholding von Martin Sorrell soll so gut wie unter Dach und Fach sein. Heute hat Publicis-Chairman-CEO Maurice Levy der US-Agentur eine klare Absage erteilt. Hintergrund für den Rückzug der Franzosen soll laut Insidern sein, dass Levy einen Bieterkrieg mit WPP ablehnt. Die Verbindung Publicis/Y&R galt ohnehin von Anfang an als äußerst kritisch, da sich bei einer Fusion massive Konkurrenzkonflikte ergäben: Die US-Agentur betreut Ford, während die französische Werbeholding die Kommunikation von Renault verantwortet. Ein Umstand, der bei Ford bereits, kurz nachdem Y&R Gespräche mit den Franzosen bekannt gab, zu heftigen Protesten geführt hat. Überdies lag das Angebot unter dem von WPP, das 5,5 bis 6 Milliarden Dollar bietet. Beides gute Gründe für Tom Bell, die Verhandlungen mit WPP wieder aufzunehmen und einige seiner Forderungen, wie die anvisierte Unabhängigkeit von Y&R für ein Jahr, aufzugeben. Morgen oder am Donnerstag soll der Deal offiziell verkündet werden – auch wenn er bei einigen schon jetzt als beschlossene Sache gilt. Aber es spricht fast alles dafür, dass WPP/Y&R bald mit einem kombinierten Gross Income von 7,61 Milliarden Dollar (1999-er Zahlen) die neue Nummer 1 beim Ranking der weltgrößten Agenturen ist.
Meist gelesen
stats