Verdeckte PR? Goldener PR-Löwe von Jung von Matt sorgt für Diskussionen

Mittwoch, 22. Juni 2011
Im Blickpunkt: Die Kampagne "Tramp a Benz" von Jung von Matt
Im Blickpunkt: Die Kampagne "Tramp a Benz" von Jung von Matt

Jung von Matt eignet sich immer gut für aufgeregte Debatten. Über kaum eine andere Agentur und ihre Arbeiten wird öffentlich so viel diskutiert wie über die Mannschaft um Co-Gründer Jean-Remy von Matt - nicht zuletzt, weil sie sich exzellent auf Eigen-PR versteht. Aktuelles Beispiel ist der Gewinn des goldenen PR-Löwen in Cannes für die Arbeit "Tramp a Benz" im Auftrag von Mercedes. Kaum war der Preis vergeben, ging die Diskussion, ob es sich um ein Plagiat einer früheren Peugeot-Aktion handele, von vorn los. Die Juroren in Cannes haben sich jedenfalls dafür entschieden, die Arbeit mit höchsten Weihen auszuzeichnen. Dabei haben sie offenbar auch einen Vorwurf außer Acht gelassen, der derzeit vor dem Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) verhandelt wird. Das Gremium unter Leitung seines Vorsitzenden Richard Gaul soll klären, inwieweit der Vorwurf "verdeckte PR" auf die Arbeit von Jung von Matt zutrifft. Die Agentur hatte zunächst nicht deutlich gemacht, dass hinter der Aktion "Tramp a Benz" Mercedes als Auftraggeber steht.

Die einschlägigen Verhaltenskodizes verpflichten PR-Schaffende auf Transparenz und klare Quellenbezeichnungen. "PR-Aktivitäten müssen offen durchgeführt werden", heißt es beispielsweise im Code de Lisbonne, dem europäischen Kodex für ein professionelles Verhalten in der Öffentlichkeitsarbeit. Das Verfahren gegen Jung von Matt vorm PR-Rat läuft schon länger. Die Agentur wurde bereits gehört, die Stellungnahme von Mercedes-Benz steht noch aus. Vor dem Hintergrund des nicht abgeschlossenen Verfahrens zeigt sich der Ratsvorsitzende Gaul verwundert, dass Jung von Matt die Arbeit in Cannes eingereicht hat. Der Rat will sein Urteil in wenigen Wochen fällen. Im schlimmsten Fall droht der Agentur eine öffentliche Rüge.

Bemerkenswert ist, dass das deutsche Mitglied der internationalen PR-Jury Karl-Heinz Heuser erst vor kurzem im Zuge des "Facebook-PR-Skandals", in den seine US-Kollegen von Burson-Marsteller verstrickt waren, erklärt hat: "Agenturen müssen sich an Fakten und Wahrheiten orientieren und Transparenz über den Auftraggeber vermitteln." Bei der Mercedes-Aktion hat die zunächst fehlende Transparenz offenbar nicht gestört. Gegenüber HORIZONT.NET weist Heuser ausdrücklich darauf hin, dass er keine Kenntnis von der Beschäftigung des PR-Rats mit dieser Kampagne hatte. Außerdem sei in den Einsendelisten klar und deutlich Mercedes-Benz als Auftraggeber gekennzeichnet gewesen. mam   
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