Umstrittene Hitler-Kampagne: Die Macher von "Aids ist ein Massenmörder" im Interview

Montag, 14. September 2009
Dirk Silz und Hans Weishäupl (v.l.)
Dirk Silz und Hans Weishäupl (v.l.)
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Soviel beachtet wie in diesen Tagen war die kleine Agentur Das Comitee nicht einmal nach ihrem Erfolg in Cannes. Die aktuelle Anti-Aids-Kampagne der Hamburger für den Regenbogen e.V. sorgt für Furore. Die Deutsche Aids-Hilfe reagierte entrüstet über die Verwendung von Hitler-, Stalin- und Hussein-Porträts im Zusammenhang mit dem HIV-Virus und forderte den sofortigen Stopp der Kampagne. Die Netzgemeinde unterdessen belohnte die Macher, indem sie die Kreationen anklickte, postete, verschickte und herunterlud - und dafür sorgte, dass sie immense Beachtung in den Medien fand. Trotz der Kritik wollen Comitee und Kunde die Kampagne weiterführen. Bis zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember sind unterschiedliche Aktionen geplant, unter anderem der Dreh eines weiteren Spots (Produktion des aktuellen Films: Doppelgänger Film, Hamburg). HORIZONT.NET hat mit den Agentur-Inhabern Hans Weishäupl und Dirk Silz über die Vorwürfe gesprochen.

Haben Sie sich schon mal vorgestellt, wie Sie Ihre Kampagne finden würden, wenn Sie selbst HIV-infiziert wären?
Hans Weishäupl: Die Kampagne ist in Zusammenarbeit mit HIV-infizierten Mitgliedern des Vereins Regenbogen entstanden und auch jetzt bekommen wir viel positives Feedback von Betroffenen.
Dirk Silz: Wir sagen ja nicht "Aids-Kranke sind Massenmörder", wir sagen "Aids ist ein Massenmörder".

Haben Ihre Kritiker die Kampagne nicht richtig verstanden?
Weishäupl:
Eigentlich gibt es nur zwei Kritiker: Die Deutsche Aidshilfe und der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft. Bei der eigentlichen Zielgruppe, nämlich den jungen Leuten, kommt die Kampagne sehr positiv an. Das beweisen die Reaktionen auf Youtube, Facebook und in zahlreichen Blogs.

Und so haben Sie mit der Kampagne gekonnt für kostenlose Eigenwerbung gesorgt.
Silz:
Genauso wie die Deutsche Aidshilfe gerade Werbung für sich macht. Die geben eine Pressemeldung gegen den Verein Regenbogen heraus und sind sich nicht zu schade, im selben Atemzug ihre Kontonummer zu nennen.
Weishäupl: Eigentlich sollten sich die Vereine doch zusammen tun und gemeinsam auf das Problem HIV aufmerksam machen. So wie sich Michael Stich mit seiner Stiftung öffentlich hinter die Kampagne stellt (bild.de).

"Aids ist ein Massenmörder" ist pro Bono entstanden - mit welchen Kunden verdienen Sie Ihr Geld? 
Silz: Wir arbeiten projektweise für verschiedene Kunden, die wir nicht in einem Atemzug mit der Anti-Aids-Geschichte nennen wollen.

Böse Zungen werfen Ihnen vor, die Motive aus der in Cannes und bei anderen Wettbewerben prämierten Design-Arbeit  "Evil Faces" für den Verein Regenbogen recycelt zu haben. Können Sie noch etwas anderes als Hitler?
Silz:
Das haben wir in zehn Jahren Berufserfahrung ja wohl gezeigt.
Weishäupl: Die beiden Projekte haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Das eine ist ein Buch über das Böse, das andere ist eine Kampagne, die der Sache dienen soll. Interview: Julia Fuhr
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