Umfrage: Cannes oder nicht Cannes - welche Agenturchefs trotz Krise zum Werbefestival reisen und warum

Donnerstag, 18. Juni 2009
Toygar Bazarkaya
Toygar Bazarkaya

Werbeflaute, Sparzwang, Entlassungen - auch die deutschen Agenturen bleiben von der Wirtschaftskrise nicht verschont. Das bekommt auch das Internationale Werbefestival in Cannes zu spüren, zu dem 2009 wohl deutlich weniger Teilnehmer erwartet werden. Dennoch: Für viele Kreativ-Manager bleibt Cannes eine Pflichtveranstaltung. In einer Umfrage von HORIZONT.NET verraten deutsche Agenturchefs, wer trotz Krise nach Cannes fährt und warum.

Toygar Bazarkaya, CCO BBDO Düsseldorf

Cannes bietet uns die Möglichkeit, die besten Arbeiten und deren Macher live zu erleben. Der Austausch mit Regisseuren, Produktionsfirmen, Kreativen und Kunden ist genauso wichtig wie die Arbeiten selbst, denn es geht darum, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Aufgrund der Wirtschaftslage haben wir unsere Teilnehmerliste um 75 Prozent reduziert. Gar nicht teilzunehmen ist für uns aber keine Option. Die harten Zeiten werden auch positive Auswirkungen haben. Zum Beispiel hoffe ich, dass dem furchtbaren Cannes-Tourismus die Luft ausgeht. Das Festival wird sich wieder stärker auf die Arbeit konzentrieren.

Weiterlesen: Das sagt Stefan Vogel

Stephan Vogel, Executive Creative Director Ogilvy & Mather

Stephan Vogel
Stephan Vogel
Natürlich fahre ich nach Cannes. Das ist die wichtigste weltweite Kreativmesse. Es ist Zeit, mit dem dummen Vorurteil aufzuräumen, Cannes sei ein teuer subventionierter Freizeitpark. Ich freue mich auf die Ideen, die Vorträge, die Cases und die Einreichungen. Ich habe in den letzten Jahren nirgendwo mehr über innovative Kreation gelernt als in den Ausstellungsräumen von Cannes. Wenn es Gold für die Arbeit eines Junioren gibt, wird auch der eingeflogen. Auf die große Bühne zu gehen und sich den Applaus der Besten der Welt abzuholen, das ist eine Anerkennung, die man jedem Macher gewähren muss.

Weiterlesen: Das sagt Detmar Karpinski

Detmar Karpinski, Geschäftsführender Gesellschafter KNSK:

Detmar Karpinski
Detmar Karpinski
Auch in guten Zeiten fahren bei uns nur Leute nach Cannes, die in einer der Jurys sitzen oder einen Löwen gewonnen haben. Der klassische deutsche Massentourismus ist unsere Sache nicht. Wir schicken in diesem Jahr nur zwei junge Art-Direktorinnen, die den deutschen Vorentscheid für die Young Lions gewonnen haben. Wir haben Verantwortung für unsere Mitarbeiter und mussten bisher noch niemanden entlassen. Damit es so bleibt, sparen wir uns alles Unnötige und halten es im Übrigen für das falsche Signal, in Zeiten wie diesen mit gespreizten Fingerchen auf der Croisette am Champagner zu nippen.

Weiterlesen: Das sagt Stefan Kolle

Stefan Kolle, Mitinhaber Kolle Rebbe:

Stefan Kolle
Stefan Kolle
Das Kolle-Rebbe-Prinzip hieß viele Jahre: Wer einen Löwen gewinnt, darf nach Cannes fahren, sonst keiner. Wir verabscheuen Festival-Tourismus. Aber: Seit einigen Jahren fahren regelmäßig ein Kreativer und eine Person aus dem Personal nach Cannes, die wiederum haben den Auftrag, der ganzen Agentur über die tollsten Sachen (neben den Partys) zu berichten. Also auch über Arbeiten, die vielleicht nur auf der Shortlist waren, aber zu aktuellen Aufgaben bei uns gut passen. Aus dem Festivalbesuch werden dann zwei 30-minütige Vorträge für die ganze Agentur. Wenn was gewonnen wird, fahren, wenn möglich, alle Beteiligten hin.

Weiterlesen: Das sagt Felix Glauner

Felix Glauner, CCO Euro RSCG:

Wir haben die Präsenz in Cannes dieses Jahr sehr reduziert. Ich fahre beispielsweise nicht, da das weltweite Kreativboard- Meeting nicht stattfindet. Es ist auch als Signal nach innen zu verstehen, effizient mit unseren Geldern umzugehen. Momentan kann keine Agentur Prognosen abgeben, wie sich das Geschäft in den nächsten Monaten entwickeln wird, also lassen wir die zwar inspirierenden, aber auch kostspieligen Motivationsreisen nach Cannes bewusst ausfallen. Ich hoffe, dass das Festival trotz aller Sparprogramme eine tolle Veranstaltung wird. Falls wir was gewinnen, lassen wir die Kreativen noch kurzfristig zur Löwenfeier fliegen.

Weiterlesen: Das sagt Dirk Haeusermann

Dirk Haeusermann, Executive Creative Director Draft FCB:

Dirk Haeusermann
Dirk Haeusermann
Cannes ist wichtig, Cannes inspiriert. Cannes motiviert. Aber man kann nicht auf der einen Seite harte Sparmaßnahmen beschließen und auf der anderen Seite teure Gruppenreisen finanzieren. Wer das dennoch tut, lügt sich in die eigene Tasche. Wir investieren zur Horizonterweiterung unserer Mitarbeiter lieber in netzwerkinterne Austauschprogramme, momentan zum Beispiel gerade mit unsrem Büro in Shanghai."

Weiterlesen: Das sagt Burkhart von Scheven

Burkhart von Scheven, CCO Saatchi & Saatchi Germany:

Burkhart von Scheven
Burkhart von Scheven
Wir fahren auch in diesem Jahr nach Cannes - und zwar zu dritt: Unser Head of Sight, Sound and Motion, und Head of Innovation und ich. Warum machen wir das? Für mich waren die Cannes Lions bislang jedes Jahr - außer Inspirationsquelle - eine der wichtigsten Niveaumessungen im Markt. Wo geht die Reise hin, welche Medien bewegen sich gerade am meisten, wie stark ist die internationale Elite, wie viel besser müssen wir werden? Das ist in diesem Jahr noch viel wichtiger als in den vergangenen."

Weiterlesen: Das sagt Kerrin Nausch

Kerrin Nausch, Associate Executive Creative Director Leo Burnett Germany

Kerrin Nausch
Kerrin Nausch
Von Leo Burnett Frankfurt wird niemand nach Cannes fahren. Trotzdem bleibt Cannes für uns und das Network der wichtigste Wettbewerb weltweit. Wir sind sorgfältig durch die Kategorien gegangen und haben gezielt eingesendet. - so, wie wir es bereits in der Vergangenheit getan haben. Trotz 20 Prozent weniger Einreichungen wird es garantiert nicht leichter, einen Löwen zu gewinnen. Aber wenn es einen abzuholen geben sollte, wird sicher auch jemand hinfahren, um ihn in Empfang zu nehmen.

Weiterlesen: Das sagt Alexander Schill

Alexander Schill, Kreativchef Serviceplan Gruppe:

Alexander Schill
Alexander Schill
Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig zu sehen, was im Rest der Welt los ist. Wie reagieren Agenturen und Kunden in Amerika oder Asien auf die Krise und was können wir in Europa daraus lernen? Nirgendwo kann man mehr lernen als in Cannes. Nicht nur in der Ausstellung, sondern gerade auch im Austausch mit Kreativen aus der ganzen Welt. Natürlich muss man heute mehr denn je auf die Kosten achten. Aber gerade beim Punkt "Inspiration" den Hebel anzusetzen, finde ich falsch.

Alles auf einen Blick

Alles auf einen Blick
Alle Nachrichten und Bilder vom Werbefestival in Cannes gibt es im großen Cannes-Special von HORIZONT.NET.





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