Umfrage: Agenturen für Finanzkommunikation flüchten in Krisen-PR

Donnerstag, 16. Juli 2009
Corinna Bause
Corinna Bause

Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Fusionen und Übernahmen weltweit auf den niedrigsten Stand seit 2003 gefallen, berichtet der Marktforscher Mergermarket. Agenturen, die sich auf die Finanz- und Kapitalmarktkommunikation spezialisiert haben, müssen in der Folge einen deutlichen Auftragsrückgang bei der Kommunikation von Merger & Acquisitions (M&A) hinnehmen. HORIZONT.NET hat führende Investor-Relations-Dienstleister gefragt, wie sie die Verluste in der M&A-Kommunikation kompensieren.

Corinna Bause, Geschäftsführerin von Vocato PR

Vocato hat neben der Finanzkommunikation noch weitere Standbeine. Und: Nicht alle Branchen leiden unter der Krise; einige Technologiebereiche, etwa Biotech, arbeiten erfolgreich - hierauf konzentrieren wir uns nun verstärkt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Melanie Voß, Director PR and Marketing von Communications & Network Consulting (CNC), sagt

Melanie Voß, Director PR and Marketing, Communications & Network Consulting

Melanie Voß
Melanie Voß
Die Schwerpunkte verlagern sich. Wir haben zwar weniger Aufträge im M&A-Geschäft, dafür aber mehr Mandate in den Bereichen Krisenkommunikation, Restrukturierung und Kapitalerhöhung. Das heißt: Wir haben nicht weniger zu tun, sondern die Mandatstruktur hat sich verändert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Wigan Salazar, Managing Partner Publicis Consultants Deutschland, sagt

Wigan Salazar, Managing Partner Publicis Consultants Deutschland

Wigan Salazar
Wigan Salazar
Überraschenderweise ist die Finanzkommunikation bei uns ein Wachstumsfeld. Wir haben eine Flut an Anfragen von Finanzinstituten. Dabei schien das Geschäftsfeld noch im Herbst tot zu sein. Börsengänge sind in der Tat rar geworden. Dafür gibt es viele Divestments. Insofern lebt das M&A-Feld noch, das ertragreicher als Börsengänge ist. Dazu kommt Krisenkommunikation, vor allem bei Insolvenzen und Restrukturierungen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Christian Weyand, Geschäftsführer der Brunwick Group, sagt

Christian Weyand, Geschäftsführer der Brunswick Group

Christian Weyand
Christian Weyand
Wir haben keine Auftragsverluste, sondern wachsen stetig, da wir uns seit einigen Jahren im Public-Affairs-Bereich auf die notwendige Integration der Kommunikation eingestellt haben. Damit sind wir überaus erfolgreich. Die Beratung der IKB über 15 Monate in allen Bereichen der Kommunikation, die für viele ja zeitlich den Beginn der Finanzkrise darstellt, ist dafür ein sehr gutes Beispiel.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Michael Reinert, Senior Managing Director von Financial Dynamics, sagt

Michael Reinert, Senior Managing Director von Financial Dynamics

Michael Reinert
Michael Reinert
Die Nachfrage im M&A-Markt ist in der Tat stark zurückgegangen, weil die Anzahl der Transaktionen deutlich gefallen ist. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass bei Transaktionen häufiger ein Kommunikationsberater hinzugezogen wird, weil die Herausforderungen auch bei kleineren Transaktionen steigen. Bewegung im Markt erkennen wir zum einen durch Unternehmen, die operativ restrukturieren oder ihre Bilanz verbessern müssen und Verkäufe von Unternehmensteilen anstreben. Zum anderen durch Unternehmen, die besser dastehen als das Branchenumfeld und jetzt Opportunitäten auf einem vergleichsweise günstigen Bewertungsniveau nutzen. Hinzu kommt eine verstärkte Nachfrage durch Kommunikationsmandate, die durch die Finanzkrise verursacht wurden. Auch Finanzinvestoren setzen sich jetzt vermehrt mit operativen und finanziellen Restrukturierungsthemen bei Portfoliounternehmen auseinander. Darüber hinaus haben wir in den letzten Monaten verstärkt internationale FD-Kunden bei der Restrukturierung ihres Deutschlandgeschäfts beraten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Benedikt von Westphalen, Geschäftsführer von Investor Communications, sagt

Benedikt von Westphalen, Geschäftsführer von Investor Communications

Benedikt von Westphalen
Benedikt von Westphalen
Das Geschäft mit Finanzdienstleistern läuft überraschend ruhig, weil unter anderem Privatbanken und Vermögensanleger die Chance nutzen, sich zu profilieren. Einen Ausgleich für die verlorenen M&A-Aufträge liefern die Unternehmen, die direkt an die Kapitalmärkte gehen (Unternehmensanleihen), sowie Mandate im Bereich Corporate Communications.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Ulf Ziegler, Geschäftsführender Gesellschafter von Fischer Appelt Ziegler und Partner, sagt

Ulf Ziegler, Geschäftsführender Gesellschafter von Fischer Appelt Ziegler und Partner der Fischer Appelt Agenturgruppe

Ulf Ziegler
Ulf Ziegler
Die Finanz- und Wirtschaftkrise geht nicht spurlos an der Branche für Finanzkommunikation vorbei. Insbesondere das Transaktionsgeschäft ist stark rückläufig - hier sehen wir erst in 2010 die Möglichkeit einer nachhaltigen Erholung. Dagegen verzeichnen wir ein leichtes Wachstum bei unseren Bestandskunden. Die Nachfrage nach vertrauensbildender Kommunikation wächst und ist gerade vor dem Hintergrund der spürbaren Verunsicherung seitens der Verbraucher und der allgemeinen Öffentlichkeit gegenüber Finanzprodukten absolut notwendig. Zugleich steigt bei den Kunden der Bedarf in den Bereichen Krisenkommunikation, Management Coaching und bei der Begleitung von Restrukturierungsprojekten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Jens Hecht, Vorstand von Kirchhoff Consulting, sagt

Jens Hecht, Vorstand von Kirchhoff Consulting

Jens Hecht
Jens Hecht
Auch in der Finanzkommunikation stehen die Budgets unter Druck. Allerdings bei weitem nicht so stark wie in der klassischen Kommunikation. Außerdem gibt es auch positive Auswirkungen, denn in schwierigen Zeiten steigt der Anspruch an die professionelle Finanzkommunikation. Das kommt den erfahrenen Beratern zugute. Nach den Erfahrungen mit dem Neuen Markt haben wir bereits frühzeitig das Geschäft mit laufenden IR/PR-Mandaten und Geschäftsberichten ausgebaut. Damit sind wir weniger abhängig von Zyklen. Zudem können wir die qualifizierten Berater an Bord halten und haben Kapazitäten für die Kapitalmarkttransaktionen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Carolin Schuberth, Geschäftsführerin von Media 4 Markets, sagt

Carolin Schuberth, Geschäftsführerin von Media 4 Markets

Carolin Schuberth
Carolin Schuberth
In diesem Jahr sehen wir die größten Schwierigkeiten in der Entwicklung des Neugeschäfts. Auftragszurückhaltung, Entscheidungsstau sowie Budgetzurückhaltung oder gar Ausgabenstreichung sind die Kernprobleme, mit denen wir zu kämpfen haben, gerade im Finanzsektor. Trotzdem sehen wir uns gut gerüstet, eventuelle Auftragsverluste ausgleichen zu können, da unsere Agentur sehr breit aufgestellt ist. Viele Unternehmen sind einem enormen Kostendruck ausgesetzt und versuchen Transaktionskosten und Koordinationsaufwand so gering wie möglich zu halten. Daher sind die Auftraggeber in der Krise eher dazu geneigt, ihre Kommunikations- und Werbeetats bei Agenturen zu bündeln, die alles aus einer Hand anbieten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was  
Ralf Hering, Geschäftsführer von Hering Schuppener, sagt

Ralf Hering, Geschäftsführer von Hering Schuppener

Ralf Hering
Ralf Hering

Es geht unserem Geschäft ausgezeichnet. Unser Honorarumsatz ist im 1. Halbjahr um rund 10 Prozent gestiegen. Wir haben zehn Transaktionen im Volumen von über elf Milliarden Euro begleitet. Darüber hinaus finden aufgrund der Finanzkrise zahlreiche Refinanzierungen, Restrukturierungen und leider auch Insolvenzen statt, die kommunikativ zu begleiten sind. Wir haben also nicht weniger, sondern mehr zu tun.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Jürgen Herres, Managing Partner von Pleon Financial Communications, sagt

Jürgen Herres, Managing Partner von Pleon Financial Communications

Jürgen Herres
Jürgen Herres
In den Bereichen M&A und IPO sind die Volumina deutlich zurückgegangen, da es die Transaktionen in der Masse wie vor zwei  Jahren nicht mehr gibt. Dennoch ist das Geschäft mit Finanzkommunikation nach wie vor lebendig, da die Expertise jetzt auch von anderen Disziplinen abgefragt wird. Kurzum: Wir haben eine Beule in der Karosserie. Das ist aber nichts, was uns substanziell Sorgen bereiten sollte.

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 29/2009 von HORIZONT.
Meist gelesen
stats