Titanium & Integrated: Jung von Matt holt Silber / Grand Prix für Droga5 und Bing

Samstag, 25. Juni 2011
Die "Konzertmilch" von Jung von Matt wird in der Königsdisziplin mit Silber dekoriert
Die "Konzertmilch" von Jung von Matt wird in der Königsdisziplin mit Silber dekoriert


Deutschland kann wieder einen Löwen in der wichtigsten Wettbewerbssparte der Cannes Lions bejubeln: Jung von Matt veredelt die "Konzertmilch" für das Konzerthaus Dortmund mit Silber in der Kategorie Integrated. Einen weiteren deutschen Shortlistplatz hatte es nicht gegeben. Damit erhöht sich sieben Jahre nach Einführung der Titanium Lions und vier Jahre nach der Trennung von Titanium und Integrated das Konto hiesiger Agenturen auf nunmehr zwei Statuetten. Den bislang einzigen Löwen in dieser Kategorie gab es 2009. Damals überzeugte die Berliner Agentur Heimat mit ihrer Hornbach-Kampagne "Haus der Vorstellung". Sie holte ebenfalls einen silbernen Integrated-Lion. Insgesamt vergibt die strenge Jury um den Vorsitzenden Bob Scarpelli, Chairman DDB Worldwide, 16 Löwen - so viele wie im vergangenen Jahr auch. Neben einem Grand Prix in der Kategorie Integrated gibt es drei Titanium-Löwen (diese werden nicht in Gold, Silber und Bronze unterteilt) sowie drei Integrated-Statuetten in Gold, sechs in Silber und drei in Bronze. Damit hat die Jury ordentlich ausgesiebt: Nur 3,3 Prozent der weltweit 480 eingereichten Arbeiten konnten in einen Löwen umgewandelt werden. Auf einen Best-of-Show-Award in der Sparte Titanium, in der es um wegweisende Ideen geht, haben die Juroren verzichtet. "Jede der drei Gewinnerarbeiten hat die Jury begeistert. Aber letztendlich hat ihnen das entscheidenden Detail, nämlich der zukunftsweisende Aspekt, gefehlt", so Jurymitglied Armin Jochum, Kreativchef von Jung von Matt.

Der Grand Prix in der Kategorie Integrated geht an die New Yorker Agentur Droga5 für ihre Kampagne "Decode Jay-Z with Bing" für die Suchmaschine von Microsoft. Diese hat bereits in der Sparte Outdoor die höchste Auszeichnung erhalten. Die Idee ähnelt einer Schatzsuche. Um die Autobiographie "Decoded" von Rapper Jay-Z schon vor dem offiziellen Start lesen zu können, mussten sich Fans auf ein interaktives Spiel einlassen. An den unterschiedlichsten Orten in den USA wurden die Seiten des Buches verteilt. So gab es Ausschnitte in Hotelpools, auf Restauranttischdecken, Plakaten oder sogar eingenäht in Gucci-Jacken. User bekamen auf Bing.decodejay-z.com Hinweise, wo diese zu finden sind. "Die Arbeit ist ein Meilenstein. Sie macht auf beeindruckende Weise klar, welche Kraft in einem großen Gedanken steckt", so Jochum. Bing habe sehr mit dem übermächtigen Konkurrenten Google zu kämpfen. "Diese Kampage ist eine geniale Idee, um Internetnutzer auf spielerische Weise dazu zu bewegen, sich mit Bing auseinanderzusetzen und es tatsächlich zu nutzen," ergänzt Jurykollegin Fernanda Romano, Global Creative Director von Euro RSCG.

Nur zwei Arbeiten können sowohl bei Integrated als auch bei Titanium punkten: Die Bing-Kampagne von Droga5 holt neben dem Grand Prix auch Titanium-Gold, die rumänische Arbeit "Amercian Rom" von BV McCann Erickson in Bukarest, die bereits in den Kategorien Direct sowie Promo & Activation den Best-of-Show-Award abstaubte, gewinnt einen Titanium-Löwen sowie einen Integrated-Lion in Gold.

 
Jury-Mitglied Armin Jochum von Jung von Matt
Jury-Mitglied Armin Jochum von Jung von Matt
Dominiert wird die Wettbewerbssparte mit großem Abstand von den USA, die insgesamt sieben Löwen mit nach Hause nehmen können: einen Grand Prix, einen Titanium-Löwen sowie einen goldenen, zwei silberne und zwei bronzene Integrated-Löwen. Auf den Plätzen folgen Schweden, Rumänien und Australien mit jeweils zwei Statuetten. Großbritannien und die Niederlande haben wie Deutschland einen Löwen geholt.

"In Deutschland fehlt oft das grundlegende Verständnis darüber, wirklich große Ideen auch großartig zu inszenieren", so Jochum. Hier sehe er den größten Nachholbedarf: "Das ist eine riesige Herausforderung - für Agenturen, Auftraggeber und Mediaagenturen." Auch herrsche oft immer noch der Gedanke der "crossmedialen Zwangsorchestrierung" vor. Jochum: "Es geht schon lange nicht mehr darum, möglichst viele Kanäle zu bestücken, sondern darauf, sich konsequent auf die wirkungsvollste Inszenierung einer Botschaft zu fokussieren." Alle Löwengewinner seien Paradebeispiele dafür, wie man verschiedene Kanäle optimal miteinander verbindet. jm
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