TV-Vermarkter zu Rabatten für ZHP: "Darüber kann ich nur schmunzeln"

Mittwoch, 15. August 2012
Aleksander Ruzicka soll am Donnerstag befragt werden
Aleksander Ruzicka soll am Donnerstag befragt werden

Während im Zivilprozess Carat gegen die früheren Inhaber der Agentur ZHP alles auf die Zeugenvernehmung von Aleksander Ruzicka am Donnerstag dieser Woche schaut, könnte die vorentscheidende Befragung bereits am Dienstag stattgefunden haben. Im Zeugenstand waren hochrangige Vertreter der TV-Werbezeitenvermarkter IP Deutschland (RTL-Gruppe) und Seven-One Media (Pro Sieben Sat 1). Sie sollten Auskunft über die Usancen bei der Gewährung von Rabatten – insbesondere von Freispots – geben.
Seven-One-Manager Thomas Wagner: "Umgang mit Naturalrabatten für ZHP absolut unüblich"
Seven-One-Manager Thomas Wagner: "Umgang mit Naturalrabatten für ZHP absolut unüblich"
Ihre Aussagen fielen eindeutig aus: Bei einem Kunden der Größenordnung von ZHP seien sowohl das für diesen eingesetzte Freispotvolumen als auch das angeblich mit diesem Kunden erzielte Rabattvolumen absolut unüblich. So wurden beispielsweise im Jahr 2005 bei IP Deutschland TV-Spots für ZHP mit einem Bruttovolumen von 3,52 Millionen Euro geschaltet. Dabei sind nach Darstellung von ZHP durch die von ihr beauftragte Mediaagentur Carat bereits bei den Jahresverhandlungen Naturalrabatte im Wert von 1,55 Millionen Euro ausgehandelt worden. Später habe es durch Nachverhandlungen eine weitere Reduzierung um 1,7 Millionen Euro gegeben. Unter dem Strich hätte Carat beziehungsweise ZHP also nur 270.000 Euro für ein Volumen im Bruttowert von 3,5 Millionen Euro bezahlt.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin am Landgericht Wiesbaden, ob ein solcher Rabatt üblich sei, sagte Martin Wolff, Mitglied der IP-Geschäftsleitung: "Darüber kann ich nur schmunzeln." Ihm zufolge bekommen noch nicht einmal ganz große Kunden solche Rabatte. Auch der Freispotanteil, der für ZHP eingesetzt wurde, sei sehr hoch. Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Seven-One Media, machte noch deutlicher, wie ungewöhnlich der Umgang mit Naturalrabatten für ZHP war. Üblicherweise liege der sogenannte Payfaktor, also das, was ein Kunde nach Abzug aller Rabatte im Verhältnis zur Leistung bezahlen muss, bei einem Kunden von der Größe ZHPs zwischen 60 und 78 Prozent. Im Fall der Wiesbadener Agentur habe diese Rate bei 10 Prozent gelegen – das heißt, nur jeder zehnte geschaltete Spot war bezahlt.

In dem Zivilprozess geht es um Schadenersatz in Höhe von 2,5 Millionen Euro, den Carat beziehungsweise die Muttergesellschaft Aegis Media von den früheren ZHP-Inhabern Reinhard Zoffel und Volker Hoff fordert. Über ihre Agentur war ein Teil der vom ehemaligen Aegis-Chef Ruzicka veruntreuten Millionen abgeflossen. Im Strafprozess war Ruzicka zu mehr als elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. mam
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