TBWA baut um - Berliner Büro wird eingedampft

Freitag, 30. November 2012
TBWA-Chef Sven Becker
TBWA-Chef Sven Becker

Die deutsche TBWA-Gruppe will sich ein schärferes Profil geben. Dazu baut die Omnicom-Tochter, die in Berlin, Düsseldorf und Hamburg vertreten ist, noch einmal um. Im Zuge dessen wird das Hauptstadtbüro deutlich geschrumpft und bekommt eine neue Rolle. Das Berliner Team soll sich als sogenanntes "Create Lab" auf den Bereich kreative Technologie konzentrieren. Damit ist laut Gruppenchef Sven Becker das Ziel verbunden, "Wertschöpfungsbeiträge zu leisten, die über das klassische Kommunikationsbriefing hinausgehen". Dabei gehe es auch darum, neue Erlösmodelle zu erschließen, so der CEO. Wie viele Arbeitsplätze durch den Umbau wegfallen, will Becker nicht sagen. Dem Vernehmen nach wird von den zuletzt rund 40 Angestellten in Berlin aber wohl nur ein kleinerer Teil seinen Job vor Ort behalten. Man habe verschiedenen Mitarbeitern das Angebot gemacht, zu TBWA nach Düsseldorf oder Hamburg zu wechseln, sagt Becker. Wie viele von ihnen das Angebot annehmen, ist unklar. Klar ist dagegen, dass die Gruppe am Ende mit weniger Mitarbeitern dastehen wird.

Geführt wird die Berliner Einheit, die zuletzt den Etat von Tassimo verloren hat, künftig von Executive Creative Director Jason Schragger und Digital Executive Creative Director Preethi Mariappan. Der bisherige Managing Director Florian Schültke wechselt nach Düsseldorf, wo er sich als Geschäftsführer um die wiederbelebte Dialogagentur Tequila kümmern soll. Diese war Ende 2009 geschlossen worden. Offizielle Begründung seinerzeit: Die Agentur habe keine strategische Bedeutung mehr für die Gruppe. Das hat sich offenbar wieder geändert. "Das Angebot, das wir jetzt bei Tequila planen, lässt sich nicht unter der Marke TBWA machen, da es in Teilen sehr speziell auf das Thema Sales/Response zugeschnitten ist", begründet CEO Becker den Sinneswandel.

In der neuen Gruppenstruktur wird sich das Büro in Hamburg weiter auf die Bereiche Healthcare und Shopper Marketing konzentrieren. Dort musste man bereits nach dem Verlust des langjährigen Großkunden Beiersdorf Ende 2010 massiv umstrukturieren und Personal abbauen. Die Niederlassung in Düsseldorf wird künftig als zentrale (und einzige) Markenführungsagentur der TBWA-Gruppe in Deutschland agieren. Dort werden unter anderem Kunden wie Henkel, Schwarzkopf, Nissan und Wagner Pizza betreut.

"Mit der neuen Struktur tragen wir den Anforderungen unserer Kunden und dem Wandel in der Kommunikationsbranche Rechnung. Dabei setzen wir unsere Kräfte noch gezielter ein, verringern Duplizität und schärfen die jeweiligen Standortprofile", sagt Gruppenchef Becker. Als ein Zeichen der Schwäche will er den Umbau ausdrücklich nicht verstanden wissen, sondern als Reaktion auf die veränderte Marktsituation. Diese stelle insbesondere Networkagenturen vor die Aufgabe, sich neu auszurichten. Fullservice-Angebote an mehreren Standorten seien nicht mehr zeitgemäß. mam
Meist gelesen
stats