Streit beim Wettbewerb "Die Anzeige"

Donnerstag, 21. August 2008
Frank Bodin
Frank Bodin

Frank Bodin hat sein Amt als Juror bei dem Award "Die Anzeige" niedergelegt. Der Chairman und CEO von Euro RSCG in der Schweiz übt heftige Kritik am Veranstalter, da dieser seine anfallenden Übernachtungskosten nicht übernehmen wollte. Bodin wirft den Commclubs Bayern vor, in die eigene Tasche zu wirtschaften statt die Einkünfte, die durch die Teilnahmegebühren entstehen, zum Beispiel in Förderprogramme für den Kreativnachwuchs zu investieren. Bei etwa 1.000 eingesendeten Arbeiten und einer durchschnittlichen Gebühr von 300 Euro komme immerhin die stattliche Summe von 300.000 Euro zusammen. "Hier werden in erster Linie die Kreativagenturen ausgenützt", schimpft Bodin und erinnert daran, dass die Juroren ehrenamtlich für die Commclubs Bayern arbeiten. Und das, obwohl der Wettbewerb "Die Anzeige" in seinen Augen nicht einmal eine Daseinberechtigung hat - im Gegensatz zum Art Directors Club Deutschland. "Der ADC tut wirklich etwas für die Förderung der Qualität in der Branche und wird deshalb gebraucht - "Die Anzeige" dagegen braucht kein Mensch", so Bodin.

In der Schweiz habe man dieser Meinung bereits Nachdruck verliehen und den Wettbewerb aus dem Kreativranking gestrichen. "Vor lauter Awards kann man den wirklichen Wert der einzelnen Preise ja gar nicht mehr erkennen", bemängelt Bodin. Mit dieser Einstellung steht der Sprecher des schweizer Pendants zum Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA (BSW Leading Swiss Agencies) nicht alleine da. Auch in Deutschland wird in der Branche immer wieder die Kritik an einer inflationären Wettbewerbskultur laut (HORIZONT 34/2008).

Eine Stellungnahme von den Commclubs Bayern oder dem Jurypräsidenten Feico Derschow war bislang nicht zu bekommen. jf

Meist gelesen
stats