Soundprofessor Carl-Frank Westermann: "Ein Modell mit enormem Potenzial"

Dienstag, 09. August 2011
Carl-Frank Westermann
Carl-Frank Westermann

"Soundprofessor" Carl-Frank Westermann hat in den vergangenen 15 Jahren bei der Identity- und Branding-Agentur Metadesign das Geschäftsfeld Sound Branding begründet und weiter entwickelt und damit viel für die strategische Markenführung von Unternehmen getan. Nun gründet Westermann gemeinsam mit dem ehemaligen "Zeit"-Manager Andreas Arntzen ein eigenes Unternehmen: Wesound - Agentur für auditive Markenentwicklung heißt das Start-up, mit dem der gebürtige Hamburger zur ersten Adresse für Sound Branding in Deutschland werden möchte. HORIZONT.NET sprach mit Westermann über das Unternehmen. Herr Professor Westermann, Sie wagen mit einer eigegen Agentur den Sprung in die Selbstständigkeit. Warum war die Zeit reif dafür? Wie Sie sicher wissen, habe ich in den vergangenen 15 Jahren in der Identity- und Brandingagentur Metadesign gewirkt. Wir haben zusammen das Geschäftsfeld Sound Branding entwickelt, das als solches bis dato in der strategischen Markenführung nicht wirklich stattfand. Unser Anspruch war es, eine Marke in all ihren Erscheinungsformen multisensuell zu gestalten und zu führen. Was damals Pionierarbeit war, ist heute ein Geschäftsfeld mit vielen Facetten - zum Glück. Auch die Medienlandschaft hat sich in dieser Zeit massiv verändert, was die Nachfrage an spezialisierten Dienstleistungen zur Folge hat. Darauf haben wir reagiert.

Wer ist denn wir? Wesound besteht aus einem Kern-Team von Sound-Spezialisten, die einen interdisziplinären Background haben. Uns verbindet die Leidenschaft für Klang und kreative Markenarbeit sowie die Erfahrung aus einer intensiven Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Jeder von uns bringt sein individuelles Kreativ-Netzwerk ein, so dass wir flexibel und individuell auf Markt- und Projektanforderungen reagieren können. Ein Modell, das verbunden mit verschieden strategischen Partnerschaften ein enormes Potenzial bietet.

Verraten Sie uns auch Namen? Ich werde mit meinen Kollegen Sebastian Waschulewski und Mark Lehmann im operativen Geschäft tätig sein. Beides geschätzte Kollegen, mit denen ich seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeite. Mein Partner Andreas Arntzen, der ein langjähriger Freund von mir ist, unterstützt uns allerdings nicht operativ.

Welche Kunden werden Sie und Wesound betreuen? Es werden Kunden sein, die Sound in seiner Wirkungskraft ernst nehmen und deswegen in ihrer strategischen Markenentwicklung berücksichtigen. Wichtig ist dabei, sich der eigenen Klangidentität seiner Marke bewusst zu werden und diese als auditiven USP zu erkennen. Erst diese „auditive Hausarbeit” befähigt Unternehmen, Marken Sound strategisch nachhaltig in die Markenkommunikation einfließen zu lassen. Es sind längst nicht mehr nur der klassische Markenartikler, auch Städte und Regionen haben das Potential erkannt, sich als Marke zu begreifen, sich entsprechend strategisch zu positionieren und Sound zur Emotionalisierung und Differenzierung einsetzen.

Zur Person

Zur Person
Carl-Frank Westermann ist studierter Organisations-Psychologe und Musiker. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er musikalisch aktiv - einem breiten Publikum wurde Westermann Mitte der 80-er Jahre als Keyboarder der Band "Fehlfarben" bekannt.
In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten war Westermann Creative Director bei der Berliner Agentur Metadesign und dort für Großkunden wie Lufthansa, Allianz oder die Deutsche Post zuständig.
Zudem lehrt Westermann als Gastprofessor an der Universität der Künste in Berlin im Master-Studiengang "Sound Studies" und unterrichtet dort das Fach "Auditive Markenkommunikation".

Was werden Sie Neues in das Themenfeld Sound und Marke einbringen? Wir sind verstärkt auf dem Gebiet der Forschung aktiv. Hier geht es im Kern um die Wahrnehmung von Klang in den verschiedensten Kontexten, um all das, was die kommende Elektromobilität für unsere Klangumwelt bedeuten wird. Aber es sind weniger die neuen Themenfelder, die nicht per se auf der Klangstraße anzufinden sind, sondern vielmehr das Bemühen, neue Perspektiven und Ansätze zu entdecken, „Klang zu denken” und einsetzbar zu machen. Wir gehen von einem wirkungsbezogenen Ansatz aus: Was macht der Klang mit demjenigen, der ihn wahrnimmt? Welche Bedeutung wird dem Sound zugeordnet? Welches Klangwissen besitzt das Unternehmen, die Marke bereits historisch wie aktuell betrachtet? Wie kann es sich bewusster der impliziten Wirkung von Sound stellen und aktiv Sound zu einer für sich besonderen Note machen... Sie merken, irgendwann muss man auch beim Sound innehalten...

Was kann denn Sound, was Bilder oder Text nicht können? Ohne Umwege direkt unsere Emotionen spielen und Bezüge herstellen. Weghören geht gar nicht, Wegsehen schon eher, „Wegriechen” macht im Wahrnehmungs-Ranking dem Klang sicherlich ernsthaft Konkurrenz. Was Klang hervorragend leisten kann, ist die Bilder im Kopf zu erzeugen, die es eigentlich nicht gibt. Jetzt werden einige sofort an Manipulation denken. Das sehe ich nicht so. Bilder, die im Kopf entstehen, gründen sich auf das Fantasie-Potential eines Menschen. Dieses auditiv zu entfachen, ist ein oft magischer Moment dessen, was Klang, Sound, Musik, Geräusche, Stimmen – nehmen Sie davon, was Sie wollen – bewirken kann.

Werden Sie sich und Ihrem Unternehmen ein eigenes Sound Branding verpassen? Ihre Frage ist ein berechtigter Klassiker. Wie sehen die Schuhe eines Schusters, die Zähne eines Zahnarztes etc. aus. Ja, das tun wir, wohl wissend, dass wir mit Wesound den Sound in Progress-Ansatz wählen werden, das heißt unserer Klangidentität Entwicklungsraum geben werden. Unsere Klanganwendungen werden auch nach Wesound klingen.
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