Sky und die "Weltpremiere": DDB und VCCP sprechen von Ideenklau

Dienstag, 19. Februar 2013
Sky sieht sich mit dem Vorwurf des Ideenklaus konfrontiert
Sky sieht sich mit dem Vorwurf des Ideenklaus konfrontiert

Die als "Weltpremiere" angekündigte Werbeaktion am heutigen Abend droht für Sky zum Eigentor zu werden. Gestern hatte der Müncher Pay-TV-Anbieter bekannt gegeben, während der Champions-League-Partie zwischen dem FC Bayern München und dem FC Arsenal den ersten Live-Fußball-Spot in der Werbegeschichte zu schalten. Doch wer hatte eigentlich die Idee für die Aktion? Gegenüber HORIZONT.NET melden gleich zwei frühere Agenturpartner von Sky Ansprüche auf die Urheberschaft an.

"Videobeweis": Der DDB-Moodfilm aus dem Jahr 2008

Wie HORIZONT.NET erfuhr, wurde das Konzept, einen Werbeblock mit Live-Fußball-Inhalten zu schalten, erstmals im März 2008 von DDB an Sky beziehungsweise das Vorgängerunternehmen Premiere herangetragen. Dem DDB-Team, das vor knapp fünf Jahren beim damaligen Marketingchef Georg Rötzer vorsprach und später sogar noch einen Moodfilm entwickelte (siehe Video oben), gehörten unter anderem Philipp Böttcher (Text/Konzept), die Kreativdirektoren Thomas Schwarz und Tim Jakoby sowie die Berater Sönke Bruns, Peer Kipke und Philipp Starck an. Die Idee, mit der Sky und Serviceplan gestern an die Öffentlichkeit gingen, sei "bis hin zur Wortwahl identisch" mit der, die DDB damals unter kreativer Oberaufsicht von Amir Kassaei präsentierte - und die am Ende abgelehnt wurde, teilt DDB gegenüber HORIZONT.NET mit.

So wirbt Sky für die "Weltpremiere"
So wirbt Sky für die "Weltpremiere"
DDB ist nicht die einzige Agentur, die sich auf den Schlips getreten fühlt. "Wir haben Sky genau diese Idee im Jahr 2011 vorgestellt", sagt Oliver Frank, Kreativchef der Berliner Agentur VCCP gegenüber HORIZONT.NET. Der mit der O2-Werbung bekannt gewordene Berliner Dienstleister, der 2011 zwischenzeitlich als Leadagentur von Sky wirkte, fand bei dem Kunden damals allerdings ebenfalls kein Gehör. Aus Sicht von Frank ist es zwar durchaus "üblich, dass präsentierte  Ideen den Kunden gehören". Dass sich jetzt andere mit dem Live-Werbeblock brüsten, stößt dem VCCP-Manager aber übel auf. "Man hätte wenigstens darauf hinweisen können, wer wirklich dahinter steckt", so Frank gegenüber HORIZONT.NET.

Für Sky wiegt der Vorwurf des Ideenklaus schwer. Zwar ist es in der Agenturbranche nicht unüblich, dass Dienstleister die Rechte an Ideen, die sie beim Kunden präsentieren, an diesen abtreten. Im Fall von DDB war dies aber nicht der Fall. Nach HORIZONT.NET-Informationen hatte DDB in seinem Vertrag mit Sky damals schriftlich fixiert, dass die Rechte bei der Agentur verbleiben.

Bei Sky ist man sich keiner Schuld bewusst. Zwar könne man nicht ausschließen, dass die Idee vor einigen Jahren, als Sky noch Premiere hieß, von einer anderen Agentur ins Spiel gebracht wurde. Da die Marketingabteilung 2010 im Zuge des Wechsels von Ivo Hoevel komplett neu aufgestellt wurde, könne dies aber nicht mehr nachgeprüft werden, erklärt eine Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET. "Fakt ist, dass unserem Marketing eine solche Idee in letzter Zeit von keiner anderen Agentur präsentiert wurde", so die Sprecherin weiter.

 

Update vom 20.02., 12:40 Uhr: Die Stellungnahme von DDB Tribal

DDB-Manager Eric Schoeffler
DDB-Manager Eric Schoeffler
Inzwischen hat sich auch die Führung von DDB Tribal in Hamburg zu dem Thema geäußert. Auch wenn die Quelle für den HORIZONT.NET-Beitrag verlässlich ist und aus dem direkten Umfeld von DDB kommt - von dem Vorwurf, die Agentur echauffiere sich gegenüber Serviceplan und Sky über „Ideenklau“, distanziert sich die Geschäftsführung von DDB Tribal in aller Deutlichkeit: Die Anschuldigung entbehre jeglicher Grundlage, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. "Vielmehr haben weder Thomas Funk, CEO, noch Eric Schoeffler, CCO der DDB Tribal Group, irgendeinen Kommentar zu dem Thema abgegeben", teilt die Agentur weiter mit.

Zwar sei es richtig, dass seinerzeit am DDB Standort des damaligen Kreativ-Geschäftsführers Eric Schoeffler in Düsseldorf eine ähnliche Idee für Premiere entstanden sei. Diese habe jedoch nie das Licht der Welt erblickt. Zudem sei diese nicht so einzigartig gewesen, als dass in der Zwischenzeit nicht jemand anderes einen ähnlichen Ansatz hätte entwickeln können. "Ideen werden sich immer wieder mal ähneln oder gar wiederholen, das ist völlig normal”, so Schoeffler. mas
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