Schwere Panne bei Ausschreibung von Rheinland-Pfalz

Donnerstag, 30. August 2007
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Für erheblichen Wirbel in Agenturkreisen sorgt derzeit die Ausschreibung des rheinland-pfälzischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums. Gesucht wird ein Dachmarkenkonzept für die Vermarktung der Nahverkehrsinitiative Rheinland-Pfalz-Takt. Im Ausschreibungsverfahren, an dem nur teilnehmen kann, wer die kostenpflichtigen Unterlagen (25 Euro) anfordert, ist es zu einer schweren Panne gekommen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums schreibt in einer fehlgeleiteten Mail, die offenbar an einen Kollegen gehen sollte, parallel aber auch an einige der über 40 teilnehmenden Agenturen gelangt ist: "Noch ein Wettbewerbsteilnehmer. Ich habe schon überlegt, ob ich ihm sagen soll, dass er nicht mehr die Schnitte einer Chance hat, aber habe mich dann doch für die 25 Euro entschieden. Was machen wir eigentlich mit dem Geld? Da sind jetzt mehr als 1000 Euro reingekommen. Dafür könnten wir zum Beispiel so eine schöne Edel-Kaffeekochanlage auch bei uns im Flur installieren. Dann musst du nicht täglich in die Kantine."

Bei den Agenturen sorgt der Vorgang für Empörung. "Das ist eine unglaubliche Unverschämtheit. Wir ziehen uns sofort aus dem Verfahren zurück", erklärt Stephan Raif, Geschäftsführer der Agentur Akom in München. Neben Akom haben bereits vier weitere Agenturen ihre Bewerbung zurückgezogen. Darunter sind auch Team Tostmann in Frankfurt und Artcon in Olfen.

Im Ministerium ist man bemüht, den Fehler zu korrigieren. Der verantwortliche Mitarbeiter sei von dem Verfahren abgezogen worden und müsse zudem mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen. "Außerdem haben wir uns sofort bei allen Agenturen entschuldigt und hoffen, dass es keine weiteren Rückzüge gibt", erklärt Ministeriumssprecherin Svea Thümler. Den nach der Mail naheliegenden Verdacht, dass bereits eine Agentur ausgeguckt sei, weist sie energisch zurück: "Das stimmt nicht." Die Bewerbungsfrist laufe bis zum 3. September, sodass die Unterlagen noch gar nicht geöffnet seien. Alle Teilnehmer hätten die gleiche Chance.

Auf Agenturseite wird genau das bezweifelt. "Es riecht danach, als sei bereits eine Entscheidung gefallen und als würde es jetzt nur noch darum gehen, sich billig ein paar Ideen zu besorgen", sagt ein Agenturvertreter. Dafür spricht ihm zufolge, dass bereits im ersten Schritt des Bewerbungsverfahrens ein maximal zehnseitiges Konzept für eine zukünftige Dachmarkenstrategie sowie ein Konzept für einen Newsletter einzureichen ist. Das Projekt Rheinland-Pfalz-Takt ist mit einem Jahresetat von 720.000 Euro ausgestattet und für den Zeitraum 2008 bis 2012 angelegt. Insgesamt geht es also um einen Volumen von rund 3,5 Millionen Euro. mam

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