Ruzicka droht neue Anklage

Freitag, 28. September 2012
Aleksander Ruzicka
Aleksander Ruzicka

Der wegen schwerer Untreue inhaftierte frühere Aegis-Chef Aleksander Ruzicka muss mit einer weiteren Anklage rechnen. Wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Wiesbaden erklärt, bereitet seine Behörde eine Anklage wegen Prozessbetrugs vor. Hintergrund ist eine angebliche Zusatzvereinbarung von Ruzicka mit seinem früheren Arbeitgeber Aegis Media aus dem Jahr 1999, die der Ex-Manager gefälscht haben soll. Wann es zu der Anklageerhebung kommt, ist noch offen. Einen Termin wollte der Vertreter der Staatanwaltschaft nicht nennen, er betonte aber, dass ein hohes Interesse daran bestehe, die nötigen Schritte zügig einzuleiten.

Auch an anderer Stelle droht Ruzicka Ungemach. So hat Aegis Media über ihren Anwalt Strafanzeige gegen den 51-Jährigen gestellt - wegen uneidlicher Falschaussage bei seinem Auftritt als Zeuge im Zivilverfahren gegen die Ex-Inhaber der Agentur ZHP. Die Mediaagenturgruppe verlangt von den Chefs der inzwischen aufgelösten ZHP Schadenersatz in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Über ihre Agentur ist ein Teil der von Ruzicka veruntreuten Aegis-Gelder in seine privaten Taschen geflossen.

Mit den neuerlichen juristischen Schritten soll wohl nicht zuletzt verhindert werden, dass Ruzicka demnächst in den offenen Vollzug kommt. Ein entsprechender Antrag der Verteidigung ist offenbar schon gestellt. Die Staatsanwaltschaft, die allerdings nicht darüber zu befinden hat, lehnt dies ab und wirft Ruzicka fehlende Reue und Schuldverarbeitung vor. Zudem sieht sie weiterhin Fluchgefahr.

Der Ex-Mediamanager war im Mai 2009 zu einer Haftstrafe von 11 Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Urteil ist seit Dezember 2010 rechtskräftig. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft hätte Ruzicka Ende 2013 beziehungsweise Anfang 2014 zwei Drittel seiner Strafe verbüßt und könnte aus dem Gefängnis freikommen - wenn er nicht nochmals verurteilt wird. Derzeit sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Darmstadt ein, wo er als Chefredakteur der Gefangenenzeitung tätig ist.

Unterdessen hat das Wiesbadener Landgericht das Urteil gegen einen Wiesbadener Rechtsanwalt gesprochen, der Ruzicka beim Aufbau seines privaten Firmengeflechts unterstützt hat. Er wurde wegen "leichtfertiger Geldwäsche" zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Zuvor hatte sich der Anwalt mit Aegis Media auf eine Zahlung von 100.000 Euro an die Agenturgruppe verständigt. Zudem hatte er sich bereit erklärt, bei der Aufklärung weiterer Sachverhalte im Kontext der Mediaaffäre mitzuwirken und seine Zulassung als Steuerberater zurückzugeben.

Das Gericht hielt dem Anwalt zwar seine Kooperationsbereitschaft zugute, äußerte aber zugleich Zweifel an den Darstellungen des Angeklagten, zum Beispiel in Bezug auf sein Verhältnis zu Ruzicka. Richter Jürgen Bonk kritisierte darüber hinaus, dass der Anwalt die Konstruktionen von Ruzicka, vor allem die hohen Provisionszahlungen für angebliche Media- und Beratungsleistungen an die von ihm gegründeten Firmen, nicht hinterfragt habe. Das hätte er als Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer tun müssen - insbesondere, weil er Personen aus seinem privaten Umfeld als Treuhänder für diese Firmen angeworben hatte. mam               
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