Ruzicka beteuert seine Unschuld

Freitag, 24. Oktober 2008
Aleksander Ruzicka (r.) beteuert seine Unschuld
Aleksander Ruzicka (r.) beteuert seine Unschuld

Mit Spannung war der Termin erwartet worden. Heute war es dann endlich so weit: Aleksander Ruzicka, der schweren Untreue angeklagter früherer Zentraleuropa-Chef von Aegis Media, äußerte sich erstmals vor Gericht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. In einer etwas mehr als zweistündigen Einlassung unterstrich er, dass sämtliche Anschuldigungen gegen ihn haltlos seien. Dabei wiederholte er im Wesentlichen seinen bereits in Interviews - unter anderem mit HORIZONT - geäußerten Standpunkt, dass er zu jeder Zeit zum Wohle seines früheren Arbeitgebers Aegis Media gehandelt habe. Durch das Modell mit Firmen wie Camaco, Watson und Emerson FF habe die Mediaagenturgruppe in den Jahren 2003 bis 2006 ein zusätzliches Freispotvolumen in Höhe von 300 Millionen Euro generieren können. Darüber hinaus sei es gelungen, durch das System der Informationsbeschaffung und ein geschicktes Beziehungsmanagment Neugeschäft im Wert von 375 Millionen Euro zu erzielen. Unter dem Strich sei bei Aegis Media ein zusätzlicher Gewinn von 34 Millionen Euro erzielt worden.

Großen Wert legte Ruzicka darauf, dass das gesamte Vorgehen mit Wissen und Zustimmung der Konzernführung in London erfolgt sei. Auch die deutsche Aegis-Spitze sei zu jeder Zeit informiert gewesen. Vor allem der frühere Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld hätte genaue Kenntnis gehabt. Das Gleiche gelte für seinen Nachfolger Andreas Bölte. Von Ihlefeld sei auch der Vorschlag gekommen, die Beratungsfirma Camaco ins Leben zu rufen - nach dem Vorbild der Firma PLV. Unter deren Dach hätte bereits die frühere Führung von Aegis in Deutschland Nebentätigkeiten organisiert.

Später habe man die Firma Watson gestartet. Ziel sei gewesen, durch Kontaktpflege und Informationsmanagement zusätzliches Geschäft für Aegis zu gewinnen - und gleichzeitig Kosten auszulagern. Eine wichtige Rolle habe gespielt, enge persönliche Beziehungen zu den Entscheidungsträgern auf Kundenseite aufzubauen. Vor diesem Hintergrund seien auch die Einladungen zu Sommerfesten in Ruzickas Privatvilla sowie zu Jagdausflügen nach Ungarn und Südafrika zu sehen. Einladungen der Agentur in ihre Geschäftsräume hätten nie eine ähnliche Wirkung entfalten können, so Ruzicka. "Die Entscheider sind persönlichen Einladungen gefolgt und nicht zu irgendeinem Branchenevent gegangen", erklärte der 47-Jährige.

Bei Aegis Media sei dieses Vorgehen üblich gewesen und wurde laut Ruzicka auch von der obersten Konzernführung praktiziert. So habe die Gruppe neben Gästehäusern, Jagdressorts und einem Golfplatz in Marokko auch Fischfangstätten für Zwecke der Kontaktpflege in ihrem Besitz. Darüber hinaus seien Reisen zu Kunstveranstaltungen und Opern sowie Seminare organisiert worden. Bei Aegis Media in London habe es einen eigenen Eventkalender gegeben, in dem festgelegt war, welcher Agenturmanager sich bei welcher Veranstaltung um welchen möglichen Neukunden kümmern sollte.

Zwei frühere Mitarbeiter von Aegis Media in Deutschland hätten extra aus diesem Grund ihre Platzreife für den Golfsport erworben. Die frühere Geschäftsführerin Claudia Jackson, die von der Staatsanwaltschaft beschuldigt wird, an den mutmaßlichen Veruntreuungen beteiligt gewesen zu sein, habe darüber hinaus das Thema Pferdesport entwickelt.

Die Firma Emerson FF, über die laut Anklage ein Großteil der 52 Millionen Euro abgeflosen sind, um die Aegis Media geschädigt worden sein soll, sei ebenfalls gegründet worden, um in Zeiten hohen wirtschaftlichen Drucks die rückläufigen Umsätze auszugleichen. Dabei sollten auf ausdrückliche Anweisung der Zentrale in London auch außertarifliche Vorteile genutzt werden. Das Modell Emerson FF sei den Konzernherren in London präsentiert und von diesen ausdrücklich gut geheißen worden. Letztlich seien auf diesem Weg - und durch die Einschaltung der Firmen Camaco und Watson - Kosten von rund 30 Millionen Euro ausgelagert worden, die sonst Aegis Media hätte tragen müssen.

Auch die Zusammenarbeit mit der Agentur ZHP, über die laut Anklage weitere 9 Millionen Euro abgeflossen sind, ist laut Ruzicka letztlich nur zum Vorteil von Aegis Media gewesen. Über die mit der Agentur eingefädelten Geschäfte sei es nicht nur gelungen, zusätzliche Kunden zu gewinnen, sondern auch das Einkommen auf diesem Kunden von 50.000 Euro pro Jahr auf 1,5 Millionen Euro pro Jahr zu steigern.

Ruzicka schloss seine Ausführungen mit dem Fazit, dass sich seine Aktivitäten im Rahmen der bei Aegis üblichen Nebentätigkeiten für Manager bewegt hätten. Zudem betonte er, dass er nie im Besitz eines südafrikanischen Reisepasses gewesen sei. Damit will er offenbar dem Verdacht der Fluchtgefahr widersprechen, den die Justiz nach wie vor sieht. Ruzicka sitzt seit zwei Jahren in Untersuchungshaft. In diesem Zusammenhang hob er auch sein Engagement für die Stadt Wiesbaden hervor, die nach wie vor sein Lebenmittelpunkt sei und es auch bleiben solle. Das aktuelle Verhalten seiner früheren Kollegen und Vorgesetzten erstaune ihn. "Ich habe 22 Jahre für Aegis gearbeitet und bin fest davon überzeugt, dass ich in all den Jahren immer die Interessen der Firma und ihrer Kunden gewahrt habe", so der frühere Mediamanager.

Seine Verteidigung stellte zum Abschluss des heutigen Verhandlungstags insgesamt 15 Beweisanträge. Das Ziel: Die Verteidigung will belegen, dass die Ruzicka zur Last gelegten Vorgänge Teil der Unternehmensstrategie von Aegis Media waren. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. mam
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