Ruzicka-Prozess beginnt am 15. Januar 2008

Freitag, 14. Dezember 2007
Für den Ruzicka-Prozess sind 17 Verhandlungstage anberaumt
Für den Ruzicka-Prozess sind 17 Verhandlungstage anberaumt

In der Strafsache gegen die ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn wird am 15. Januar 2008 die Hauptverhandlung eröffnet. Für den Prozess hat die 6. Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Bonk insgesamt 17 Verhandlungstage anberaumt. Der letzte Prozesstag soll am 27. März 2008 sein. Diese Terminierung ist allerdings nur vorläufig, da „der Ablauf der Beweisaufnahme derzeit im Detail noch nicht absehbar ist", wie es in der Pressemitteilung des Landgerichts heißt. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass weitere Prozesstage anberaumt werden müssen, bis es zu einem Urteilsspruch kommt.

Zum Prozessauftakt werden zunächst die Personalien der Angeklagten festgestellt und der ermittelnde Staatsanwalt Wolf Jördens wird den 65 Seiten langen Anklagevorwurf verlesen. Die Zeugen werden dabei nicht benannt. „Das ergibt sich aus dem Terminzettel, worin das Gericht die Zeugen für den jeweiligen Prozesstag benennt", erklärt dazu Hartmut Ferse, Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft.

Sollte die Verteidigung am ersten Prozesstag einen Antrag, wie zum Beispiel auf Einstellung des Verfahrens oder wegen Befangenheit des Gerichts stellen, müssen zuerst diese Anträge entschieden werden, bevor der eigentliche Prozess beginnen kann. Hierbei werden Ruzicka und Linn in 86 Fällen der gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall bezichtigt. Sie sollen ihren früheren Arbeitgeber Aegis Media im Laufe von mehreren Jahren um 52 Millionen Euro geschädigt haben.


Ursprünglich galt dieser Vorwurf der Staatsanwaltschaft auch für den Mitbegründer der Mediaagentur Heinrich Kernebeck. Doch dessen Anklageschrift wurde Mitte November von der 6. Strafkammer des Landgerichts abgewiesen. Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt ein, die dort noch anhängig ist. Sollte das OLG bis Mitte Januar entscheiden, dass die Beweismittel eine Anklage gegen Kernebeck rechtfertigen, dann könnte das Hauptverfahren um seine Person erweitert werden.

Bei dem Wiesbadener Rechtsanwalt Cornelius W., der von der Staatsanwaltschaft der Beihilfe bezichtigt wird, wird das de facto nicht der Fall sein. Hier laufen die Ermittlungen noch, weshalb das Verfahren von der Hauptverhandlung abgetrennt wurde. Für den ehemaligen Einkaufschef Linn und seinen damaligen Vorgesetzten Ruzicka aber wird es ernst. Während Linns Haftbefehl bereits seit einem Jahr außer Vollzug gesetzt ist, sitzt Ruzicka seit Oktober 2006 in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in Untersuchungshaft. Dort wurde der einstige Europachef der Mediaagentur Aegis Media gestern 47 Jahre alt. Im Falle eines Schuldspruchs könnten ihm bis zu 15 Jahre Haft drohen.
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