Ruzicka-Prozess: Zeugin verweigert vorerst die Aussage

Donnerstag, 31. Januar 2008

Die für den heutigen Verhandlungstag im Untreue-Prozess gegen die beiden Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn geplante Vernehmung einer ehemaligen Mitarbeiterin aus der Einkaufsabteilung der Mediaagenturgruppe ist geplatzt. Die Zeugin hat kurzfristig von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und war nicht zur Verhandlung erschienen. Der Grund: Gegen sie selbst laufen noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Diese sollen aber demnächst abgeschlossen werden, sodass ihre Vernehmung jetzt für den 5. März geplant ist. Die Ex-Mitarbeiterin gilt als wichtige Zeugin der Anklage. An sie sollen den Ermittlern zufolge Schweigegelder gezahlt worden sein, nachdem sie auf vermeintliche Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung gestoßen war.

Ausgesagt hat dagegen eine immer noch bei Aegis tätige Unit-Leiterin. Sie schilderte dem Gericht die Zusammenarbeit von Planungs- und Einkaufsabteilung bei der Aegis-Tochter Carat Wiesbaden. Zudem wurde anhand des Kunden Pernod Ricard erörtert, wie Freispotkontigente verbucht und abgerechnet wurden.

Abgewiesen wurde der Antrag von Ruzickas Rechtsanwalt Marcus Traut, den ehemaligen Botschafter Südafrikas als Zeugen zu laden. Dieser sollte bestätigen, dass Ruzicka keinen südafrikanischen Pass besitzt oder besessen hat. Diese Frage sei für die Aufklärung der vorgeworfenen Straftaten irrelevant, so der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk. Über den ebenfalls von der Verteidung gestellten Aussetzungantrag hat das Gericht dagegen noch nicht entschieden. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile einige der angeforderten Unterlagen zur Verfügung gestellt. In diese können nun die Anwälte von Ruzicka und Linn Einsicht nehmen.

Überraschend schnell scheint es indes zu einer Vernehmung des amtierenden Aegis-Chefs Andreas Bölte zu kommen. Er soll am Mittwoch, den 6. Februar in den Zeugenstand treten und zu Fragen der Organisationsstruktur von Aegis Media aussagen. Zudem ist geplant, ihn über das Zustandekommen der anonym verfassten Anzeige aus dem Jahr 2005 zu befragen, auf deren Basis die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hatte. Auch gegen Bölte laufen derzeit noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
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