Ruzicka-Prozess: Zeuge hält Geschäfte mit ZHP für wenig vorteilhaft

Dienstag, 18. März 2008
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Am heutigen zehnten Verhandlungstag im Untreue-Prozess gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn ging es im Wesentlichen um die Geschäfte mit der Agentur Zoffel Hoff Partner (ZHP), die heute unter dem Namen Wunschkind firmiert. Thomas F., Leiter der bei der Aegis-Tochter Carat Wiesbaden in den Jahren 2002 bis 2006 für diesen Kunden zuständigen Unit, schilderte die Betreuung von ZHP. Neben ZHP wurde in dieser Unit auch für Kunden wie RWE, CDU-Bundesgeschäftsstelle, Pit Stop, Lactalis und Pfizer gearbeitet.

Bei ZHP habe es sich um einen Auftraggeber gehandelt, der in der Aegis-Gruppe auf höchster Ebene angesiedelt war - nämlich beim damaligen CEO Ruzicka und dem damaligen Carat-Geschäftsführer Heinrich Kernebeck. Thomas F. sei "Ende der 90er Jahre oder Anfang 2000" von Kernebeck gebeten worden, sich um diesen Kunden zu kümmern. Ihm sei gesagt worden, dass dieser Auftraggeber eine hohe strategische Bedeutung für die Gewinnung von Neugeschäft habe.

Außer in einigen wenigen Fällen, wie zum Beispiel beim Etat des Dualen Systems Deutschland (DSD), der über eine Kooperation mit ZHP beziehungsweise deren Ableger ZH Mediakommunikation gewonnen wurde, blieb der Erfolg laut Thomas F. aber hinter den Erwartungen zurück. Ansprechpartner bei ZHP für den Kunden DSD sei der damalige Agenturmitinhaber Volker Hoff gewesen. Er ist heute Europaminister in der hessischen Landesregierung. Laut Thomas F. sei es nicht wie geplant gelungen, durch die Zusammenarbeit mit ZHP verstärkt Mandate im Bereich der politischen Kommunikation zu akquirieren. Der 2006 gewonnene Etat des Bundespresseamts sei ohne Zutun der Werbeagentur nach einer öffentlichen Ausschreibung gewonnen worden.

Auch die Aufteilung der für den Kunden ZHP eingesetzten TV-Freispots aus dem Agenturpool, bei der 20 Prozent des tariflichen Gegenwerts bei Aegis verblieben, war laut Thomas F. nicht sonderlich günstig für die Agentur. Bei der Kapitalisierung der Freizeiten aus dem Agenturpool sei nach seinem Wissen ein Gegenwert von 65 bis 75, in Ausnahmefällen sogar von bis zu 85 Prozent für die Agentur üblich. Da die Verteilung in punkto ZHP auf höchster Ebene ausgehandelt worden sei, hätte er diese aber nicht weiter hinterfragt. In welchem Umfang für ZHP Freizeiten aus dem Agenturpool eingesetzt worden sind, konnte der Zeuge nicht sagen.

Die Vorgehensweise, Naturalrabatte aus dem Agenturpool zu kommerzialisieren, indem diese Kunden zu bestimmten Konditionen angeboten wurden, sei Konzernstrategie von Aegis gewesen. Anprechpartner für die Planungs-Unit bei diesem Thema sei die Einkaufsgeschäftsführerin Claudia Jackson sowie deren Assistentin Manuela R. gewesen, in seltenen Fällen auch Einkaufschef David Linn.

Eine ähnliche Auffassung in Bezug auf die Frage, wie vorteilhaft die Geschäfte mit ZHP eigentlich für Aegis gewesen sind, hatte bereits Manuela R., eine Art Kronzeugin der Anklage, vertreten. Sie hatte Anfang März die Angeklagten mit ihren Aussagen schwer belastet. Manuela R. hatte Unregelmäßigkeiten im Umgang mit ZHP und Emerson FF bemerkt, diese aber nicht angezeigt, sondern gegen "Sonderzahlungen" für sich behalten. Gegen Manuela R. liegt ein Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreuevor (1 Jahr auf Bewährung, Geldbuße von 10.000 Euro), der aber noch nicht unterschrieben ist. Andere Zeugen hatten dagegen im Laufe des Verfahrens ausgesagt, dass die mit dem Kunden ZHP realisierte Rendite durchaus günstig für Aegis gewesen sei.

Ebenfalls befragt wurden am heutigen Dienstag zwei Sekretärinnen aus der Einkaufsabteilung von Aegis. Sie sagten aus, dass sie auf Anweisung von Jackson oder Manuela R. Rechnungen an die Firma Emerson FF gefaxt hätten. Kopien der Unterlagen habe es nicht gegeben. Vielmehr mussten alle Papiere direkt an die Vorgesetzten zurückgegeben werden.

Die für den 20. und 27. März geplanten Verhandlungstage fallen aus. Der nächste Prozesstag findet am 7. April statt. Inwieweit im April möglicherweise auch die beiden Angeklagten aussagen werden, ist weiter unklar.
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