Ruzicka-Prozess: Zähe Befragung des Hauptangeklagten

Montag, 03. November 2008
Aleksander Ruzicka (re.) auf der Anklagebank (Bild: pdh Foto, Wolfgang Hörnlein)
Aleksander Ruzicka (re.) auf der Anklagebank (Bild: pdh Foto, Wolfgang Hörnlein)

Der Untreueprozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn wurde heute mit der Befragung des Hauptangeklagten und früheren Zentraleuropa-Chefs der Mediaagenturgruppe fortgesetzt. Rund viereinhalb Stunden stellte sich sich Ruzicka den Fragen des vorsitzenden Richters Jürgen Bonk. Dabei schilderte er noch einmal - wie bei seiner Erklärung am vorvergangenen Freitag - ausführlich seine Version der angeklagten Vorgänge, gab aber nur selten konkrete Antworten auf die vom Gericht gestellten Fragen. Der 47-Jährige wiederholte seine Auffassung, dass er stets zum Wohle seines früheren Arbeitgebers gehandelt und durch den Einsatz von Firmen wie Emerson FF, Camaco und Watson ein umfangreiches zusätzliches Freispotvolumen sowie höhere Gewinne für die Agentur erzielt habe. Die Anklage wirft Ruzicka und weiteren Beschuldigten dagegen vor, insgesamt 51,2 Millionen Euro bei seinem früheren Arbeitgeber veruntreut zu haben.

Ruzicka erläuterte am Beispiel der Einkaufsvorteilskonten, dass es stets eine Trennung zwischen Agentur- und Kundengeldern gegeben habe. Die an die Firma Emerson FF - über die laut Ermittlern ein Großteil der Veruntreuungen gelaufen sein soll - geflossenen Beträge seien dabei nie Gelder von Aegis Media gewesen. Um den Beweis dafür zu erbringen, stellte Ruzickas Verteidigung den Antrag, den Finanzbericht der Agenturgruppe von 2005 in die Hauptverhandlungen einzuführen. Damit wollen seine Anwälte gleichzeitig belegen, dass die durch die Einschaltung von Emerson FF, Camaco und Watson erzielten Mehreinnahmen zum Großteil Aegis Media zugute gekommen sein sollen.

Auf die Frage nach der Rolle von Emerson FF erklärte Ruzicka, dass die Firma zwei Funktionen hatte: Zum einen sei sie eine Art Verrechnungsstelle gewesen, über die Leistungen von Camaco und Watson vermarktet wurden. Zum anderen seien über Emerson FF Informationen beschafft worden, um Aegis Media eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Medienvermarktern und in Pitches zu verschaffen. Dabei sei es einerseits um Personalbewegungen auf Kundenseite, persönliche Gepflogenheiten und Interessen sowie die finanzielle Situation und das soziale Netz von Entscheidern gegangen. Aber auch um die Konditionen der Unternehmen bei den Vermarktern, die Zufriedenheit mit der bestehenden Mediaagentur und Wünsche in Bezug auf andere Themen.

Der Vorteil für Aegis sei gewesen, dass man durch Einschaltung von Emerson FF - und deren Rechnungen, die an die Auftraggeber weitergegeben wurden - "einen Weg gefunden hatte, Kunden für eine Leistung bezahlen zu lassen, die wir bislang selbst erbracht hatten", so Ruzicka. Dadurch sei es gelungen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen beziehungsweise Kosten zu reduzieren. Die Rechnungen von Emerson FF seien für Aegis Media durchlaufende Posten gewesen. Die Agentur habe an den Partizipationssätzen für das zusätzlich generierte Freispotvolumen verdient. Einmal mehr betonte Ruzicka, dass das entsprechende Modell vom früheren Aegis-Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld entwickelt worden sein soll.

Auch die Firmen Camaco und Watson - laut Anklage Tarnfirmen, über die Aegis-Gelder in die Taschen von Ruzicka und Co geflossen sind - seien mit Wissen des früheren Finanzchefs und der Konzernzentrale in London etabliert worden. Hier sei der Firmenzweck ebenfalls Informationsbeschaffung gewesen. Ruzicka widersprach ausdrücklich der Darstellung des Mitangeklagten Linn, dass dieser keine Leistungen für Camaco erbracht habe. "Das ist schlicht falsch", so Ruzicka auf Nachfrage des Gerichts.

Er selbst will, anders als Linn und die frühere Einkaufsgeschäftsführerin Claudia Jackson, keine Ausschüttungen von Camaco erhalten haben. Der ihm zustehende Anteil sei bei Camaco geblieben. "Ich wollte die Company zu dem Zeitpunkt nicht belasten", sagte Ruzicka. Sein einziger Vorteil sei gewesen, dass ihm ein Darlehen zur Refinanzierung seiner Auslagen für Reisen, Spesen und laufende Kosten gewährt wurde, die er von seiner privaten Kreditkarte bezahlte. Anders als von Zeugen behauptet, sei Camaco nie der finanziellen Kontrolle von Aegis entzogen gewesen.

Das Gleiche gelte für die Firma Watson. Sie sei eine "Weiterentwicklung des Camaco-Gedankens" gewesen. Im Vordergrund habe die Ausrichtung von Veranstaltungen gestanden. "Wir wollten weg von Massenveranstaltungen wie Bambi und Co hin zu exklusiveren und intimeren Events", so Ruzicka. Auch hier sei es vor allem darum gegangen, Informationen zu generieren, mit denen man das Geschäft von Aegis Media ankurbeln konnte. Watson sei also nichts weiter als ein "Steigbügel zur Informationsgewinnung" gewesen. Neben ihm hätten auch Jackson und der Ex-Carat-Geschäftsführer Heinrich Kernebeck mit eigenen Firmen wie Cascade und Ortago Veranstaltungen ausgerichtet. Linn habe sich allerdings nicht beteiligt. "Er hat keine Events gemacht", sagte Ruzicka.

Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann geht die Befragung von Ruzicka durch das Gericht weiter. Auch mit ersten Fragen der Staatsanwaltschaft ist dann zu rechnen. mam
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