Ruzicka-Prozess: Wann kommt es zu den Plädoyers?

Montag, 02. Februar 2009
Aleksander Ruzicka mit Verteidiger Marcus Traut
Aleksander Ruzicka mit Verteidiger Marcus Traut

Spannender als die Zeugenaussagen ist beim Prozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn derzeit die Frage nach dem weiteren Zeitplan. Am Rande des heutigen Verhandlungstags machte das Gerücht die Runde, dass möglicherweise noch im Februar das erste Plädoyer über die Bühne gehen könnte. Dass es tatsächlich so kommt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Ruzickas Verteidiger Marcus Traut hat bereits angekündigt, dass er noch eine Reihe weiterer Beweisanträge einbringen will. Am Rande der Verhandlung sagte er zu HORIZONT.NET, aus seiner Sicht sei es ausgeschlossen, dass bereits im Februar plädiert werde.

Auf der anderen Seite gibt es aber deutliche Signale dafür, dass das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk einen baldigen Abschluss des Untreue-Prozesses anstrebt. Dem Vernehmen nach peilt die Kammer an, Ende des 1. Quartals das Urteil zu sprechen. Ruzicka, Linn und weiteren Beschuldigten wird vorgeworfen, mehr als 51 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media veruntreut zu haben.

Bei der heutigen Befragung von Mark Jamison, früher Europa-CFO und seit Mai 2008 weltweiter Finanzchef von Aegis Media, kamen keine neuen Erkenntnisse zutage. Der 53-Jährige bestätigte weitgehend die Aussage von CEO Jerry Buhlmann aus der vorigen Woche. So erklärte auch Jamison, keine Kenntnis von Kostenauslagerungen bei Aegis Media in Deutschland gehabt zu haben.

Auch von größeren Kosten für Informationsbeschaffung und Kundenbetreuung wollte Jamison nichts wissen - ebenso nichts davon, dass Aegis Media eigene Immobilien oder sonstige Ressourcen für spezielle Kundenevents unterhalte. Genauso unbekannt waren ihm - zum für die Vorwürfe gegen Ruzicka und Co. relevanten Zeitraum bis September 2006 - die Firmen Camaco, Watson, OH 14, Life 2 Solutions und Emerson FF.

Ebenso wie Buhlmann sagte auch Jamison aus, dass der Umgang mit agenturspezifischen Freizeiten in Deutschland nicht mit anderen Märkten vergleichbar sei. Freizeiten spielten hierzulande eine wesentliche größere Rolle. Es habe einmal den Versuch gegeben, auch in anderen Ländern TV-Freizeiten so einzusetzen wie in Deutschland. Diese Initiative sei allerdings gescheitert.

Auf Frage des Staatsanwalts bestätigte Jamison noch einmal, dass Aegis Media Schadensersatz gegen Ruzicka, Linn und andere Beschuldigte geltend mache. Zu der genauen Höhe konnte er nichts sagen.

Ruzickas Verteidiger Traut legte bei seiner Befragung von Jamison Wert auf dessen Aussage, dass Aegis Media neben dem vom deutschen Firmenanwalt Johann-Christoph Gaedertz verantworteten internen Bericht keine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Überprüfung der Vorgänge beauftragt hatte. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. mam  
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