Ruzicka-Prozess: Volker Hoff kann sich nur an wenig erinnern

Dienstag, 12. August 2008
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Die mit Spannung erwartete Aussage des hessischen Europaministers Volker Hoff im Untreue-Prozess gegen die beiden Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hat nicht viel Neues zutage gefördert - zumindest in Bezug auf die Anklage. Hoff wurde in seiner Rolle als früherer Geschäftsführender Gesellschafter der Wiesbadener Agentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) befragt. Über diese Agentur sind nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft rund 9 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media abgeflossen. Insgesamt geht die Anklage von einer veruntreuten Summe von 52 Millionen Euro aus. Bei seiner Befragung verwies Hoff mehrfach darauf, dass die Vorgänge, für die sich das Gericht interessiere, schon mehrere Jahre zurücklägen. Deshalb könne er sich an vieles nicht mehr erinnern. Zudem sei er schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr in der Agentur beziehungsweise deren Nachfolgefirma tätig.

Deutlich erkennbar war, dass Hoff bemüht war, seine Distanz zum Hauptangeklagen Ruzicka deutlich zu machen. Die Zusammenarbeit von ZHP mit Aegis beziehungsweise Carat sei im Wesentlichen über seinen früheren Partner Reinhard Zoffel gelaufen. Dieser sei der Hauptansprechpartner für Ruzicka gewesen. "Diese beiden Akteure haben im Wesentlichen die Zusammenarbeit gestaltet", so Hoff. Er selbst sei zwar der für Finanzen und Vertragsgestaltung zuständige Geschäftsführer gewesen, an Details der Vereinbarungen mit Carat könne er sich aber nicht erinnern - zumal vieles nicht schriftlich fixiert wurde, sondern auf Absprachen beruht habe. Diese habe Zoffel "als der für das Operative Zuständige" mit Ruzicka getroffen und ihn dann später unterrichtet, so Hoff. "Ich hatte keinen Anlass, einzuschreiten oder dieses Vorgehen zu kritisieren."

Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Zahlungsströme zwischen Carat und ZHP sowie mutmaßlichen Tarnfirmen wie Camaco und Life 2 Solutions hatte Hoff nicht. Für ihn sei immer klar gewesen, dass diese Firmen der Carat-Gruppe zuzuordnen seien. Auch die Rechnungen von Camaco an ZHP über Beratungsleistungen seien für ihn völlig in Ordnung gewesen: "Ich ging davon aus, dass auf diesem Weg die Lasten berechnet wurden, die bei Carat angefallen waren", sagte Hoff. Schließlich habe ZHP bei der Kooperation mit Carat ja Dienstleistungen der Gruppe in Anspruch genommen. Die Festlegung der Rechnungssummen sei dabei eher "eine gefühlte Größe" gewesen, die aber nachvollziehbar gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ZHP über hohe Rabatte auf das geschaltete Mediavolumen und den Einsatz von Freespace rund 9 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis bzw. Carat zugeflossen sind. Ob diese Rabatte oder Teile davon - wenn sie denn auf das für ZHP-Kunden geschaltete Volumen gewährt wurden - nicht den Auftraggebern der Kreativagentur hätten zugute kommen müssen, wurde nicht erörtert. Fest steht dagegen, dass von den 9 Millionen Euro 6,5 Millionen Euro an die Firmen Camaco, Life 2 Solutions und OH 14 geflossen sind - für "Beratungsleistungen". Interessant daran ist, dass es sich bei OH 14 um eine Objektgesellschaft - letztlich eine Immobilie - handelt. Wie diese ZHP beraten haben soll, blieb unklar. Die restliche Summe behielt ZHP. "Wir haben das Geld für Kreativleistungen bekommen, die wir erbracht haben", so Hoff.

Wenig plausibel waren die Ausführungen Hoffs zu seiner Rolle bei dem Internetportal "Best of my world". Er sei hier nur als Käufer eines Firmenmantels aufgetreten und habe sich um die Anmeldung der Firma im Wohnhaus seiner Mutter in Mühlheim gekümmert. "Das hatte steuerliche Gründe", so Hoff. Ansonsten habe er mit dem Projekt nichts zu tun gehabt. Die neben einem ZHP-Ableger an Best of beteiligten Partnerfirmen Life 2 Solutions und Cascade, die Ruzicka und dessen Umfeld zugerechnet werden, habe er nicht näher gekannt. Das Gleiche gelte für deren Geschäftsführer. Diese Aussage ist insofern bemerkenswert, weil Hoff in Sachen Best of als Bevollmächtigter aller Gesellschafter aufgetreten ist. Die Geschäftsidee für Best of ist Hoff zufolge von seinem Ex-Partner Zoffel gekommen. Dagegen hatte dieser gestern ausgesagt, dass die Idee von Ruzicka stammte.
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