Ruzicka-Prozess: Verteidigung von Linn schließt sich Strafforderung der Anklage an

Donnerstag, 23. April 2009
David Linn
David Linn

Im Untreue-Prozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hat sich die Verteidigung von Linn weitgehend der Strafforderung der Staatsanwaltschaft für den Ex-Einkaufschef der Mediaagenturgruppe angeschlossen. Zwei Jahre auf Bewährung lautet das Strafmaß, das Rechtsanwalt Manfred Döring am Ende seines knapp 30-minütigen Plädoyers für angemessen hielt. Die gleiche Ansicht hatte Anklagevertreter Wolf Jördens bei seinem Plädoyer Anfang April vertreten, als er für Ruzicka eine Freiheitsstrafe von 13,5 Jahren forderte. Hinsichtlich der Geldauflage vertritt die Verteidigung von Linn eine andere Position als die Staatsanwaltschaft. Döring hält die geforderten 30.000 Euro für zu hoch und weist darauf hin, dass sich die Geldauflage "an den wirtschaftlichen Verhältnissen" seines Mandanten orientieren sollte.

Auch bei der rechtlichen Würdigung kommt der Anwalt von Linn zu einer anderen Enschätzung als die Anklagebehörde - allerdings ohne größere Auswirkungen auf die Strafzumessung. Beobachter sehen darin ein Zeichen für eine mögliche Verständigung und das Signal, nicht pokern und das spätere Urteil akzeptieren zu wollen.

Dennoch ist laut Döring der Tatbeitrag von Linn - anders als von der Staatsanwaltschaft eingestuft - nicht als Mittäterschaft zu werten, sondern lediglich als Beihilfe durch Unterlassen. So sei Linn zu keiner Zeit in die Aktivitäten der Firma Camaco, als deren Mitgesellschafter er geführt wurde, eingebunden gewesen. Auch habe er keine nähere Kenntnis von deren Tätigkeiten gehabt. Andere Personen wie der separat angeklagte Heinrich Kernebeck seien viel enger involviert gewesen. Über Camaco und andere mutmaßliche Tarnfirmen soll der Hauptangeklagte Ruzicka mithilfe weiterer Beschuldigter laut mittlerweile veränderter Anklage insgesamt 49 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media veruntreut haben.

Das Einzige, was man Linn vorwerfen könne, sei sein Schweigen. "Sein Tatbeitrag bestand darin, dass er sich nicht gegenüber Aegis Media in London offenbarte", sagte Rechtsanwalt Döring. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass dies mit erheblichen Schwierigkeiten für seinen Mandanten verbunden gewesen wäre.

Zugute halten müsse man Linn, dass er die 1,96 Millionen Euro, die über Camaco an ihn gezahlt wurden, nie angerührt habe. Außerdem habe er frühzeitig Schadenswiedergutmachung angeboten und stehe diesbezüglich kurz vor einer finalen Einigung mit Aegis Media. Weiterhin sei Linn strafmildernd anzurechnen, dass er sich als britischer Staatsbürger freiwillig den Behördern und dem Strafverfahren gestellt habe. Linn saß von Oktober bis November 2006 in Untersuchungshaft. Zudem sei sein "vollumfängliches Geständnis", das er sowohl bei seiner polizeilichen Befragung als auch im Rahmen der Hauptverhandlung ablegte, entsprechend zu würdigen.

Zum Abschluss seines Plädoyers wies Verteidiger Döring darauf hin, dass Linn und seine Familie infolge der Geschehnisse einen schweren wirtschaftlichen Schaden erlitten hätten und ihn das Thema sicher "bis an sein Lebensende" verfolgen werde.

Für den kommenden Montag (27. April) ist das Plädoyer von Ruzickas Verteidigern geplant. Am Donnerstag, den 7. Mai soll dann das Urteil verkündet werden. mam
Meist gelesen
stats