Ruzicka-Prozess: Verteidigung kann erneut nicht punkten

Montag, 08. Dezember 2008
Aegis-Chef Andreas Bölte musste nochmals aussagen
Aegis-Chef Andreas Bölte musste nochmals aussagen

Die von der Verteidigung von Aleksander Ruzicka beantrage erneute Vernehmung zweier bereits gehörter Zeugen hat keine Entlastung für den Hauptangeklagten gebracht. Andreas Bölte, Nachfolger von Ruzicka als CEO von Aegis Media in Zentraleuropa, und der frühere Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld wurden heute zu den Entscheidungsgremien im Unternehmen und dem Zustandekommen der Strafanzeige gegen Ruzicka befragt. Dem früheren Mediaagenturboss wird vorgeworfen, zusammen mit weiteren Beschuldigten insgesamt 51,2 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media veruntreut zu haben.

Sowohl Bölte als auch Ihlefeld schilderten die Abläufe im German Executive Board (GEB), einem Gremium, dem neben dem CEO und dem CFO bis zu vier weitere Führungskräfte der Gruppe angehörten - darunter der Personalchef und der Sprecher der Carat-Geschäftsführung. Laut Angaben der Zeugen wurden in dem Gremium zwar durchaus Entscheidungen besprochen, aber nicht getroffen. Dies war und ist die Aufgabe des CEO, sagte Bölte. So habe er selbst, seit er den Vorsitz im GEB führe, noch nie ein Thema zur Abstimmung gestellt. Soweit er sich erinnern könne, gelte dies auch für seinen Vorgänger Ruzicka.

Die Verteidigung des Hauptangeklagten verwies auf einen Passus in der Geschäftsordung des GEB, demzufolge Entscheidungen mehrheitlich getroffen werden sollen. Bölte war dieser Absatz unbekannt. Ihlefeld bestätigte indes seine Kenntnis von der Regelung, erklärte aber ebenfalls, dass im GEB keine Abstimmungen stattfanden. "Es durften zwar alle Board-Mitglieder mitreden, aber entschieden hat der CEO", so der frühere Finanzchef.

Auch daran, dass im GEB das Thema Kostenauslagerung besprochen worden sein soll, konnten sich beide Zeugen nicht erinnern. Dies gelte insbesondere für die Auslagerung für die Kosten zur Informationsbeschaffung und Events zur Kundenbindung, wie zum Beispiel Jagdausflüge. Diese hätten in dem Gremium nie auf der Tagesordnung gestanden. Ruzicka hatte bei seiner Einlassung vor Gericht behauptet, dass GEB sei über alle Schritte informiert gewesen und habe auch Kenntnis von den geplanten Maßnahmen zur Informationsgewinnung gehabt. mam
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