Ruzicka-Prozess: Verteidigung attackiert das Gericht

Mittwoch, 25. Februar 2009
Ruzickas Verteidiger Marcus Traut kritisiert die Kammer
Ruzickas Verteidiger Marcus Traut kritisiert die Kammer

Beim Strafprozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hat die Verteidigung des Hauptangeklagten das Gericht scharf angegriffen. In einem der heute insgesamt 16 gestellten Beweisanträge formulieren die Rechtsanwälte Marcus Traut und Eva Schrödel, dass die Kammer nicht an der Aufklärung der gegen ihren Mandanten erhobenen Vorwürfe interessiert sei. Anders sei nicht zu erklären, dass bestimmte Unterlagen - in diesem Fall Dokumente über die Verwendung der abgeflossenen Gelder - nach wie vor nicht Gegenstand der Hauptverhandlung seien. Mit der Einführung dieser Unterlagen will die Verteidigung beweisen, dass Ruzicka persönlich kein Geld zugeflossen sei. Dem früheren CEO der Mediaagenturgruppe Aegis Media in Zentraleuropa wird vorgeworfen, insgesamt 52 Millionen Euro bei seinem früheren Arbeitgeber veruntreut zu haben.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk weist den Vorwurf zurück. Es sei bemerkenswert, dass die Verteidigung nach mehr als 60 Verhandlungstagen behaupte, die Kammer sei an einer Sachaufklärung nicht interessiert. "Ich halte das für selbsterklärend und will das nicht weiter kommentieren", so Bonk während der Hauptverhandlung.

Zuvor hatten Ruzickas Anwälte weitere Beweisanträge gestellt, mit deren Hilfe sie ihren Mandanten entlasten wollen. So wurde unter anderem beantragt, die Top-Manager mehrerer großer Unternehmen zu laden, die entweder Kunden von Aegis waren beziehungsweise sind oder es werden sollten.

Sie sollen bestätigen, dass die Zusammenarbeit mit Aegis nur deshalb zustande kam, fortgesetzt oder angedacht wurde, weil Aegis über die Firmen Camaco, Watson und Co wertvolle Informationen zur Verbesserung der Konditionen liefern konnte. Mehrfach wurde dabei auf Einladungen der Entscheider zu Verantaltungen wie Ball des Weines, Wilhelmstraßenfest in Wiesbaden, Sommerfeste im Hause Ruzicka sowie Jagden in Südafrika und Ungarn verwiesen.

Offenbar soll so der Eindruck vermittelt werden, dass ohne diese Kontakte die Geschäfte nicht hätten angebahnt oder gar abgeschlossen werden können. Prozessbeobachter werfen indes die Frage auf, ob bei dem einen oder anderen Fall der Tatbestand der Bestechung erfüllt sein könnte.

Ein weiterer Beweisantrag bezog sich auf die ehemalige Firma PLV. Die Befragung eines ihrer früheren Repräsentanten soll belegen, dass diese Firma als Vorbild für die von Ruzicka etablierten Gesellschaften wie Camaco und Watson gedient hätte. Zudem will die Verteidigung belegen, dass Ruzicka sein Geschäftsgebaren von seinem Ziehvater Kai Hiemstra gelernt habe - bis hin zur Auswahl der richtigen Businesskleidung und Restaurants.

Die Staasanwaltschaft machte in einer ersten Reaktion ihre Verwunderung über den Zeitpunkt für die Anträge deutlich. Laut Staatsanwalt Wolf Jördens hätten alle Anträge bereits früher gestellt werden können - "und nicht erst dann, wenn die Beweisaufnahme mehr als ein Jahr andauert". Der Prozess soll am Montag, den 9. März fortgesetzt werden. mam  
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