Ruzicka-Prozess (Update): Carat-Mitarbeiterin sagt zu Freispots aus

Dienstag, 04. März 2008
Staatsanwälte Wolf Jördens (li.) und Achim Thoma (Quelle: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)
Staatsanwälte Wolf Jördens (li.) und Achim Thoma (Quelle: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)

Nach einer krankheitsbedingten Unterbrechung von nicht ganz drei Wochen wurde heute das Untreue-Verfahren gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn am Wiesbadener Landgericht fortgesetzt. Auf dem Programm des siebten Prozesstags stand am Vormittag die Befragung einer Mitarbeiterin aus der Planungsabteilung der Aegis-Tochter Carat Wiesbaden. Sie schilderte die Betreuung des Kunden Zoffel Hoff Partner (ZHP), über den laut Staatsanwaltschaft rund 9 Millionen Euro von insgesamt 52 Millionen Euro abgeflossen sein sollen, von denen in der Anklageschrift die Rede ist.

Die Zeugin erläuterte, dass die Planung für ZHP zum Teil sehr kurzfristig erfolgte. Die Konditionen, die Carat diesem Kunden eingeräumt hat, bezeichnete sie als günstig, aber durchaus marktüblich. Zugleich bestätigte sie, dass für ZHP ein großer Anteil an TV-Freizeiten eingesetzt wurde. Dies sei laut Aussage der Zeugin günstiger gewesen, als die Freispots bei einem Großkunden einzusetzen, da mit ZHP eine Vereinbarung bestand, die erzielten Freizeiten im Verhältnis 80:20 zugunsten des Kunden aufzuteilen. Bei anderen Kunden sei dieses Verhältnis viel ungünstiger für Carat gewesen.

Ansprechpartner für den Kunden ZHP sei auf Carat-Seite Ruzicka selbst und bei ZHP Agenturchef Reinhard Zoffel gewesen. In manchen Fällen, wie zum Beispiel bei der Werbung für die Südtirol Marketing Gesellschaft, sei aber auch der damalige Zoffel-Partner Volker Hoff dabei gewesen. Hoff ist heute Hessens Europaminister.

Eine längere Debatte gab es über die Frage, inwieweit die Zeugin vor ihrer Befragung von Aegis-Rechtsvertretern beraten wurde. Zu Beginn des Prozesstages hatten die Verteidiger von Ruzicka und Linn zudem Erklärungen verlesen, in denen sie die vorangegangenen Zeugenbefragungen zusammenfassten und schilderten, dass die Vernehmungen ihrer Mandanten damit bestätigt wurden.

Fortgesetzt wurde die Verhandlung mit der Befragung der Kriminalbeamtin, die die Vernehmungen von Beschuldigten geleitet hat. Dazu gehören Felicitas C., Treuhänderin und Geschäftsführerin der mutmaßlichen Tarnfirma Camaco, und Holger S., der als Geschäftsführer der Firma Watson Communication fungierte. Beide werden vorerst nicht vor Gericht aussagen, da gegen sie selbt noch ermittelt wird und sie deshalb von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Den Aussagen der Kriminialbeamtin zufolge war Conway 2002 von Rechtsanwalt Cornelius W. für eine Treuhänderschaft der Firma Camaco gewonnen worden. Gegen Cornelius W. läuft inzwischen ein abgetrenntes Verfahren. In ihrer Funktion als Camarco-Geschäftsführerin habe Felicitas C. unter anderem Rechnungen für Beratungsleistungen geschrieben, deren Höhe von Ruzicka vorgegeben worden sein soll. Sie habe in Camaco "eine ganz normale Firma" gesehen und wusste, dass die Aegis-Mitarbeiter Ruzicka, Linn, Claudia Jackson und Heinrich Kernebeck dahinter standen. Ansprechpartner für sie sei Ruzicka gewesen. Er habe auch das Gründungskapital von 25.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Im Verlauf ihrer Tätigkeit soll sie auch als Kurier eingesetzt worden sein. Dabei soll Conway einen Scheck an den damaligen ZHP-Mitgesellschafter Volker Hoff übergeben haben. Desweiteren habe sie mehrfach Bargeld abgehoben und direkt an Ruzicka oder dessen persönliche Sekretärin übergeben. Zudem sei es zu bankinternen Geldtransfers zwischen verschiedenen Camaco-Konten gekommen. Beobachter gehen davon aus, dass dadurch die Herkunft der Gelder veschleiert werden sollte. Auch eine mögliche Verbindung zu Aegis sollte eventuell so verhindert werden.

Bei der polizeilichen Vernehmung von Holger S. tauchten laut der Kriminalbeamtin neben Watson Communication auch weitere mögliche Tarnfirmen wie Ortago und Transportland Medienservice auf. Der von Holger S. angenommene Firmenzweck von Watson sei der Aufbau einer Lodge in Südafrika gewesen. Dass Watson mit Geschäften im Medienbereich befasst war, habe er nicht gewusst. Unklar sei geblieben, womit die Firma eigentlich ihr Geld verdient.

Holger S. soll auch ausgesagt haben, dass über Ortago 45.000 Euro an die Firma Krennrich geflossen seien. Deren Name war vorige Woche im Zusammenhang mit der Entlassung des ehemaligen Mediamanagers von Ferrero Herbert Korrell aufgetaucht. Am Ende des Verhandlungstags verlas die Verteidigung von Linn eine Erklärung, in der sie das Vorgehen der Staatsanwaltschaft kritisierte und indirekt die Ablösung von Staatsanwalt  Wolf Jördens forderte.
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