Ruzicka-Prozess: Unterwäsche wird nochmal zum Thema

Mittwoch, 12. November 2008
Aleksander Ruzicka (r.) mit Verteidiger Marcus Traut
Aleksander Ruzicka (r.) mit Verteidiger Marcus Traut

Auch die heutige Befragung von Zeugen hat nichts Entlastendes für den der schweren Untreue angeklagten früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka zutage gefördert. Im Zeugenstand war zunächst eine Sekretärin, die von 1999 bis 2006 für den früheren Carat-Geschäftsführer Heinrich Kernebeck und zum Teil auch für Ruzicka tätig war. Zu ihren Aufgaben gehörte die Organisation und Betreuung der Jagdveranstaltungen in Ungarn, die laut Ruzicka zur Informationsbeschaffung und Neugeschäftsanbahnung etabliert worden waren. Laut Zeugin hatten die Jagdevents zum Teil geschäftlichen und zum Teil privaten Charakter. Das Gleiche gelte für ihre Tätigkeit im Zusammenhang mit diesen Veranstaltungen. "Als persönliche Assistentin verschwimmen schon mal berufliche und private Aufgaben", so die 40-Jährige.

Abgerechnet wurden die Jagden in Ungarn über die Firma Watson. Sie wird von der Staatsanwaltschaft als eine der mutmaßlichen Tarnfirmen angesehen, über die Aegis-Gelder in Höhe von insgesamt 51,2 Millionen Euro veruntreut worden sein sollen. Warum die Abrechnungen über Watson laufen sollten, sei ihr nicht wirklich klar gewesen, sagte die Zeugin. Sie habe aber eine entsprechende Anweisung von Ruzicka erhalten.

Nochmal zu einem Thema wurden die Thermounterhosen, die bei einem Wiesbadener Jagdgeschäft gekauft und über Watson abgerechnet wurden. Nach Darstellung von Ruzicka wurde die Wäsche angeschafft, um sie Teilnehmern zur Verfügung stellen zu können, die nicht richtig ausgerüstet waren. Dass in größerem Umfang Ersatzausstattung in Deutschland besorgt wurde, konnte die Zeugin allerdings nicht bestätigen. Mit Sicherheit hätten aber Ruzicka und Kernebeck Jagdunterwäsche in besagtem Geschäft gekauft.

Ebenfalls anders als Ruzicka stellte sie den internen Umgang mit den Firmen Watson und Camaco dar. So gab es nach ihrem Kenntnisstand keine eigenen Postkörbe für diese Firmen bei Aegis Media. Dies hatte der Hauptangeklagte bei seiner Befragung in der vorigen Woche erklärt.

Als zweite Zeugin trat heute eine Finanzbuchhalterin von Aegis Media auf. Die 54-Jährige schilderte den Umgang mit den sogenannten Einkaufsvorteilskonten. Wem die darauf gesammelten Gelder zugute kamen - ob sie in die Erlöse von Aegis Media gehen oder den Kunden gutgeschrieben werden sollten - sei ab 2003 vom Controlling entschieden worden. In Einzelfällen hätte aber auch Ruzicka die Vorgaben gemacht - zum Beispiel beim Kunden ZHP. Über diese Agentur sollen laut Anklage 9 der 51 Millionen Euro abgeflossen sein. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. mam
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