Ruzicka-Prozess: Unterhosen auf Firmenkosten

Montag, 15. September 2008
Ruzicka (re.) mit Strafverteidiger Traut, Bild: pdh-Foto (Wolfgang Hörnlein)
Ruzicka (re.) mit Strafverteidiger Traut, Bild: pdh-Foto (Wolfgang Hörnlein)

Im Untreueprozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn stand am heutigen Montag die Vernehmung eines Steuerfahnders auf dem Programm. Er wurde zu den Geldabflüssen bei den mutmaßlichen Tarnfirmen Camaco, Watson und Life 2 Solutions befragt, über die laut Anklage rund 52 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media veruntreut worden sind. Laut Aussage des Steuerfahnders haben die Firmen dazu gedient, "die privaten Bedürfnisse von mehreren Personen zu bedienen, ohne dass steuerliche Konsequenzen gezogen worden sind". So hätten zahlreiche Betriebsausgaben von Camaco und Watson eindeutig einen privaten Hintergrund. In diesem Zusammenhang nannte der Zeuge unter anderem die Anschaffung eines Handys für mehr als 6000 Euro und den Erwerb von Jagdunterwäsche und Jagdausrüstung (Gewehre, Munition etc.) für rund 30.000 Euro, die über die Firmen abgerechnet wurden.

Gemeinsam sei diesen Rechnungen, dass sie zunächst an Ruzicka persönlich adressiert waren. Auf seine beziehungsweise die Bitte seiner persönlichen Assistentin hin seien sie später auf die besagten Firmen umadressiert worden. Dabei sei zum Teil auch der Rechnungsgegenstand geändert worden, zum Beispiel in "Beratungsleistungen".

Der Fahnder kam vor Gericht zu der Bewertung, "dass rund 50 Prozent der betrieblichen Ausgaben der Firmen nicht betrieblich veranlasst waren". Einen genauen Betrag konnte der 50-Jährige allerdings nicht nennen. Die Summe gehe aber "in die Millionen", so der Zeuge.

Weitere Geldabflüsse hat es ihm zufolge unter anderem für den Erwerb von Büromöbeln gegeben. Später habe sich herausgestellt, dass es sich zum Großteil um Anschaffungen wie Schrankwände, Couches, Sessel, TV- und Videoanlagen für die privaten Häuser des Hauptangeklagten und weiterer Personen gehandelt habe. Die Rechnungen dafür seien ebenfalls über Camaco gelaufen.

Auch größere Feiern in seiner Wiesbadener Villa hat Ruzicka offenbar über diese Firma abgerechnet - als Kundenevents. Dazu zählt unter anderem eine Veranstaltung, die an einem 24. Dezember stattfand. "Das ist ein Datum, wo das Finanzamt hellhörig wird", sagte der Steuerfahnder. Ebenfalls als Event für Kunden wurde ein Cocktailempfang zur Sommersonnenwende 2005 abgerechnet, zu der Ruzicka, seine Mutter und sein Lebensgefährte eingeladen hatten. Der mit der Durchführung beauftragte Wiesbadener Caterer stellte Watson dafür 54.000 Euro in Rechnung. Bei einer weiteren Veranstaltung dieser Art habe die Rechnungssumme sogar mehr als 79.000 Euro betragen. Laut Aussage des Zeugen konnten diese Events deshalb in keinerlei Bezug zu einem betrieblichen Anlass stehen, da Privatpersonen eingeladen und die Veranstaltungen auch in privaten Räumen stattgefunden hätten.

Ruzickas Anwalt Marcus Traut wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es einen Mietvertrag zwischen seinem Mandanten und der Firma Camaco gegeben habe. Laut diesem Vertrag hatte Camaco das Erdgeschoss und die erste Etage in Ruzickas Wiesbadener Villa für einen monatlichen Preis von 7600 Euro angemietet.

Neben diesen Ausgaben hat es der Steuerfahndung zufolge weitere Geldabflüsse von Camaco an Ruzicka und weitere Personen gegeben. So habe Ruzicka durch Überweisungen der früheren Camaco-Geschäftsführerin mehrfach höhere Geldbeträge erhalten. 2002 sei ihm eine Summe von 545.000 Euro zugegangen, 2003 waren es 1.255.000 Euro, 2003 1.585.000 Euro und 2005 noch einmal 150.000 Euro. Darüber hinaus sei eine Summe von mehr als einer Million Euro ins Ausland transferiert worden, mutmaßlich nach Südafrika.

Der Zeuge bestätigte weiterhin, dass gegen Ruzicka derzeit ein Steuerstrafverfahren läuft. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Eine Steuernachzahlung in Höhe von 243.000 Euro sei aber bereits einen Tag nach der Durchsuchung im September 2006 geleistet worden. Beobachter gehen davon aus, dass auf Ruzicka im Zusammenhang mit den Steuervorwürfen ein weiterer Prozess zukommen dürfte. Die Hauptverhandlung im Untreueverfahren wird am Mittwoch fortgesetzt.. Dann steht unter anderem die Vernehmung eines Zeugen auf dem Programm, der früher für Emerson FF tätig war. mam

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