Ruzicka-Prozess: Linn unterzeichnet Schuldanerkenntnis gegenüber Aegis Media

Montag, 04. Mai 2009
David Linn (l.) und Aleksander Ruzicka hatten heute das letzte Wort
David Linn (l.) und Aleksander Ruzicka hatten heute das letzte Wort

Im Untreue-Prozess gegen die beiden früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hatten die Angeklagten heute die Gelegenheit, das letzte Wort vor der Urteilsberatung zu sprechen. Dabei wiederholten beide ihre bisherigen Standpunkte. Linn wies einmal mehr darauf hin, dass er "alles zutiefst bereue". Zudem bat er um Berücksichtigung der Tatsache, dass er heute einen ganz anderen Kenntnisstand habe als damals. Auch Ruzicka blieb bei seiner Auffassung. Bei all seinem Handeln habe stets das Wohl von Aegis Media und die Sicherheit der Mitarbeiter im Vordergrund gestanden. Er habe sogar sein Privatleben hinter die Bedürfnisse seines Arbeitgebers zurückgestellt. Als Mitglied der weltweiten Führung von Aegis Media und als "einer der erfolgreichsten CEOs unserer Branche" habe er aber extrem viele Neider gehabt. Er habe immer darauf geachtet, dass sein Handeln rechtens und überprüfbar sei.

Zuvor hatte die Kammer um den Vorsitzenden Jürgen Bonk die beiden zuletzt gestellten Beweisanträge der Verteidigung von Ruzicka abgelehnt. Dabei ging es auch um das Teilurteil des Landgerichts München zum Rechtsstreit zwischen Danone und der Aegis-Tochter Carat. Das Urteil sei ohne Bedeutung für den hiesigen Prozess, da sich der Richterspruch einzig und allein mit dem Vertragsverhältnis zwischen Carat und Danone beschäftige.

Ebenfalls bekannt wurde heute, dass der Angeklagte Linn Ende letzter Woche ein Schuldanerkenntnis gegenüber Aegis Media unterzeichnet hat. Darin verpflichtet sich Linn unter anderem, die an ihn gezahlten Gelder in völler Höhe zurückzuzahlen. Über die mutmaßliche Tarnfirma Camaco waren 1,96 Millionen Euro an Linn geflossen.

Auf Anregung der Kammer und nach Antrag der Staatsanwaltschaft wurden zudem sechs weitere Fälle aus der Anklage gestrichen. Damit reduziert sich der angeklagte Gesamtschaden von zuletzt rund 49 Millionen Euro nach Auskunft eines Sprechers der Staatsanwaltschaft noch einmal um rund 830.000 Euro. Ursprünglich ging es um eine Schadenssumme von 51,2 Millionen Euro.

Das Urteil soll - anders als zunächst angekündigt - nicht am kommenden Donnerstag, sondern am Dienstag, den 12. Mai verkündet werden. Nach dann insgesamt 66 Verhandlungstagen. Die Hauptverhandlung begann am 15. Januar 2008.

Die Anklage fordert für Ruzicka eine Freiheitsstrafe von 13,5 Jahren und für Linn eine Bewährungsstrafe von 2 Jahren. Linns Verteidigung hat sich der Forderung der Staatsanwaltschaft für ihren Mandanten angeschlossen. Die Verteidigung von Ruzicka fordert Freispruch. mam 
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