Ruzicka-Prozess: Linn kann mit milderer Strafe rechnen

Montag, 30. März 2009
Aleksander Ruzicka (re.) und David Linn
Aleksander Ruzicka (re.) und David Linn

Im Untreue-Prozess gegen die früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn geht das Warten auf das Plädoyer der Staatsanwaltschaft weiter. Auch bei der  Fortsetzung der Hauptverhandlung am heutigen Montag ist es nicht zum Ende der Beweisaufnahme gekommen. Die Verteidigung des Hauptangeklagten Ruzicka hat erneut Beweisanträge gestellt. Einer davon wurde bereits am Nachmittag abgelehnt, ein weiterer ist noch nicht entschieden. Bereits am Vormittag hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk zwei noch offene Beweisanträge verworfen - genauso wie die Gegenerklärung der Verteidigung zu einem bereits abschlägig beschiedenen Antrag.

Darüber hinaus hat das Gericht dem Mitangeklagten Linn einen rechtlichen Hinweis gegeben. Demnach kommt für ihn im Falle eines Schuldspruchs auch eine Verurteilung wegen "Beihilfe zur Untreue durch Unterlassen" infrage. Dies würde eine mildere Strafe nach sich ziehen als eine Verurteilung wegen der bislang angeklagten Mittäterschaft beziehungsweise Beihilfe zur Untreue.

Prozessbeobachter werten diesen Hinweis als Zeichen dafür, dass Linn mit einer Bewährungsstrafe davonkommen könnte. Allerdings muss seine mögliche Strafe in einem angemessenen Verhältnis zur möglichen Strafe des Hauptangeklagten Ruzicka stehen.

Linn hat bereits im Sommer 2008 vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Heute verlas sein Anwalt Manfred Döring zudem eine Erklärung, in der Linn ausdrücklich einer Auszahlung der bei ihm arrestierten Schadenssumme von 1,98 Millionen Euro an Aegis Media zustimmt und auf Rückforderungsansprüche verzichtet.

Sollte nicht erneut etwas dazwischenkommen, ist für den kommenden Verhandlungstag am 6. April mit dem Plädoyer von Staatsanwalt Wolf Jördens zu rechnen. Dieser machte heute seinem Ärger über die Verzögerung Luft: "Langsam wächst sich das Ganze zu einem Ärgernis aus", sagte Jördens in der Hauptverhandlung und verwies darauf, dass aus seiner Sicht die meisten Beweisanträge schon vor einem Jahr hätten gestellt werden können.

Ruzickas Verteidiger Marcus Traut betonte dagegen, dass er "kein Interesse daran habe, das Verfahren zu blockieren" und erklärte, dass er derzeit keine weiteren Beweisanträge vorbereite. Möglicherweise werde er aber in seinem Plädoyer sogenannte Hilfsbeweisanträge stellen. Hilfsbeweisanträge werden erst im Urteil beschieden. mam
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