Ruzicka-Prozess: Krennrich-Geschäftsführer sagt aus

Montag, 07. April 2008
Richter Jürgen Bonk mit den beisitzenden Richterinnen Seidel und Schulte
Richter Jürgen Bonk mit den beisitzenden Richterinnen Seidel und Schulte

Nach 19 Tagen Pause wurde heute der Untreue-Prozess gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn fortgesetzt. Auf dem Programm stand die Vernehmung des Zeugen Frank G., der im Jahr 2006 als Geschäftsführer für die Firma Krennrich tätig war. Über diese Firma war vor kurzem der ehemalige Ferreo-Mediachef Herbert Korrell gestürzt, nachdem bekannt wurde, dass via Krennrich Gelder an die Firma Comscio geflossen sein sollen. Für Comscio war Korrells Frau als Geschäftsführerin eingetragen. Gegen Korrell und seine Frau ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen Untreue.

Der Zeuge Frank G. erklärte, dass er Ende 2005 vom Rechtsanwalt Cornelius W. darum gebeten worden sei, die Geschäftsführung von Krennrich zu übernehmen. Nach einigem Zögern habe er sich dazu bereit erklärt - quasi als Freundschaftsdienst gegeüber Cornelius W., den er seit Jahren aus dem Tennisclub kannte. Als Geschäftszweck von Krennrich, einer ehemaigen EDV-Firma, seien ihm "Provisionszahlungen" genannt worden. Wofür diese Provisonen bezahlt werden sollten, konnte Frank G. nicht sagen. Die Stammeinlage für die Übernahme des GmbH-Mantels sei von der Firma Ortago bezahlt worden. Auch deren genauer Geschäftszweck sei ihm unbekannt. Ortago gilt als eine der angeblichen Tarnfirmen, über die Gelder aus der Aegis-Gruppe abgeflossen sein sollen.

An die Höhe der Zahlungen, die über Krennrich liefen, konnte sich Frank G. nicht genau erinnern. Er mutmaßte, dass es sich um eine Summe zwischen 600.000 und 700.000 Euro gehandelt habe. Der vorsitzende Richter Jürgen Bonk verlas dagegen aus den Ermittlungeprotokollen, dass Krennrich insgesamt 1,45 Millionen Euro eingenommen und 1,37 Millionen Euro ausgezahlt hat.

Krennrich sollte nach einer entsprechenden Erklärung von Frank G. von Mitte Oktober 2006 aufgelöst werden. Er sei misstrauisch geworden, nachdem er erste Presseberichte über vermeintlich unsaubere Machenschaften im Aegis-Umfeld gelesen hatte. Hinzu kam eine Hausdurchsuchung in der Kanzlei von Cornelius W. Das heutige Verhältnis zu ihm bezeichnete der Zeuge als "gestört". Gegen Cornelius W. läuft ein eigenes Verfahren, gegen Frank G. wird ermittelt.

Der Ruzicka-Proess wird am 16. April fortgesetzt. Für diesen Tag ist keine Zeugenvernehmung geplant. Stattdessen will das Gericht Unterlagen verlesen.
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