Ruzicka-Prozess: Internationales Firmengeflecht wird sichtbar

Mittwoch, 02. Juli 2008
Richter Jürgen Bonk mit den beisitzenden Richterinnen  Seidel und Schulte (Quelle: PHD Foto)
Richter Jürgen Bonk mit den beisitzenden Richterinnen Seidel und Schulte (Quelle: PHD Foto)

Die heutige Verhandlung in dem Untreueverfahren gegen die Ex-Aegis Manager Aleksander Ruzicka und David Linn dauerte zwar nur eine Stunde, aber die hatte es in sich. Zunächst wurde der Antrag der Strafverteidigung auf Aufhebung des Haftbefehls gegen Ruzicka von der sechsten Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts abgelehnt. Danach wurden diverse Urkunden über Firmen in Dubai in das Verfahren eingeführt. Bei diesen Firmen handelte es sich um Afro Invest Limited und Strongway Limited, die beide ihren Hauptsitz in Dubai haben. Anhand der verlesenen Dokumente wurde ersichtlich, dass beide Firmen von Ruzicka gegründet wurden. Durch spätere Vereinbarungen aus dem Jahr 2006 wurden Ralph Ertner und Thomas Meissner als Direktoren eingesetzt, die Afro Invest und Strongway verwalteten. Aus den Unterlagen ging ferner hervor, dass der Geschäftsgrund von Afro Invest die Beteiligung an Firmen in Südafrika war und dafür entsprechende Bankkonten eingerichtet worden waren. Als Geschäftsgrund von Strongway wurden wiederum das Halten von Aktien an südafrikanischen Firmen und Beteiligungen an südafrikanischen Firmen genannt.

Erwähnt wurde zudem, dass über Strongway die Gründung einer Offshore-Firma, also eines Unternehmens in einem Steuerparadies wie zum Beispiel den Cayman Islands, stattfinden sollte. Eine Klausel in beiden Firmenverträgen verpflichtete zudem die eingesetzten Bevollmächtigten Ertner und Meissner dazu, über die Identität Ruzickas und das Geschäftsmodell Stillschweigen zu bewahren. Außerdem sollten alle Gewinne von Afro Invest und Strongway an den Auftraggeber, also Ruzicka überwiesen werden.

Laut Hartmut Ferse, Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, stellen Afro Invest und Strongway nur einen kleinen Teil des Geflechts aus vermeintlichen Tarnfirmen im Ausland dar. Es gäbe noch weitere Firmen mit entsprechenden Bankkonten in Südafrika, Hongkong, Nikosia und auf Mauritius.

Es ist möglich, dass über diese ausländischen Firmenkonten ein Teil der insgesamt 52 Millionen veruntreuten Euro Richtung Südafrika abgeflossen sein könnten. "Da gibt es ja den Grundbesitz", wie Oberstaatsanwalt Ferse hinzufügt. Dazu gehören die beiden Farmen Mziki Eight und Mziki Nine mit einer Fläche von jeweils rund 4,5 Millionen Quadratmetern. Darauf befindet sich wiederum die Camel Thorn Lodge und in Kapstadt steht darüber hinaus das Gryphon House. Die Eigentumsverhältnisse dieser Immobilien seien laut Ferse noch nicht endgültig geklärt.

Prozessbeobachter gehen davon aus, dass die Firmendokumente über Afro Invest und Strongway heute in das Verfahren eingeführt wurden, um die bestehende Fluchtgefahr Ruzickas zu untermauern. Dieses Argument wurde mehrfach als Ablehnungsgrund für die Aufhebung von Ruzickas Untersuchungshaft von dem vorsitzenden Richter Jürgen Bonk genannt. Hiergegen hat Ruzickas Strafverteidiger Marcus Traut mittlerweile Einspruch beim Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) erhoben. Die Entscheidung des OLGs steht hierzu noch aus, wird aber in den kommenden Wochen erwartet.

Die nächsten vier Wochen wird der Prozess ohnehin durch die angekündigte Sommerpause unterbrochen. Er wird am 4. August mit der Befragung von Andreas Bölte fortgesetzt. Bölte war während Ruzickas Amtszeit als CEO Central Europe and Africa von Aegis Media deren Chief Financial Officer. Nach der Inhaftierung Ruzickas im Oktober 2006 übernahm Bölte Ruzickas Chefsessel bei der Wiesbadener Mediaagenturgruppe. Böltes richterliche Befragung wird mit Spannung erwartet, da er gemeinsam mit dem Firmenanwalt Johann-Christoph Gaedertz die Ermittlungen gegen Ruzicka und Linn durch zwei anonyme Anzeigen ins Rollen gebracht hat, die zuvor mit der Staatsanwaltschaft und den polizeilichen Ermittlern abgesprochen waren.
Meist gelesen
stats