Ruzicka-Prozess: Geldwäsche? Dalai-Lama-Besuch im Visier

Montag, 04. Februar 2008

In der Affäre um den ehemaligen Chef von Aegis Media Aleksander Ruzicka durchleuchtet die Staatsanwaltschaft Wiesbaden nun auch Vorgänge in der Lokal- und Landespolitik. Wie Ende voriger Woche bekannt wurde, ermitteln die Behörden, ob bei einem Empfang für den Dalai Lama zu dessen 70. Geburtstag in Wiesbaden vor zweieinhalb Jahren veruntreutes Geld gewaschen wurde. Das geistliche und weltliche Oberhaupt gilt als Freund von Ministerpräsident Roland Koch und war im Juli 2005 Gast im Kurpark der Landeshauptstadt. Wer die Feier ausgerichtet hat, ist unklar. Die Verantwortlichen in Kur- und Stadtverwaltung können dies bislang nicht aufklären. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Ermittlungen wegen Untreue einleitet. Sicher ist dagegen: Die Firma Watson Communication, die die Staatsanwaltschaft für eine von Ruzicka betriebene Scheinfirma hält, hat der Werbeagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) im Juli 2005 eine Rechnung in Höhe von rund 17.000 Euro geschickt - für das "Sponsoring Geburtstag Dalai Lama". Die Agentur ZHP existiert heute nicht mehr in ihrer damaligen Form. An ihr war neben Co-Gründer Reinhard Zoffel auch der heute hessische Europaminisnter Volker Hoff beteiligt.

Über ZHP sollen insgesamt 9 Millionen Euro veruntreut worden sein, so der Vorwurf der Ermittler. Ihr aktueller Verdacht: Auch die rund 17.000 Euro, die Watson ZHP für die Geburtstagsfeier des Dalai Lama in Rechnung stellte, könnten Teil der Gelder sein, die Ruzicka und andere ehemalige Aegis-Mitarbeiter aus dem Vermögen der Mediaagenturgruppe abgezweigt haben sollen.
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