Ruzicka-Prozess: Ermittler sagen aus

Montag, 02. Juni 2008
Die Angeklagten David Linn und Aleksander Ruzicka (Quelle: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)
Die Angeklagten David Linn und Aleksander Ruzicka (Quelle: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)

Beim Verhandlungstag am 2. Juni im Untreue-Prozess gegen die beiden Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn ging es um die polizeilichen Durchsuchungen im September 2006. Damals hatten die Ermittler insgesamt 14 Objekte genau unter die Lupe genommen - darunter die Geschäftsräume von Aegis Media und Carat sowie von Ermerson FF und der mutmaßlichen Tarnfirmen Camaco, Cascade und Watson. Bei der Befragung der Ermittlungsführerin Silke T. vom Polizeipräsidium Hessen West wurde deutlich, dass die Ermittlungsbehörden erst relativ spät nach Eingang der ersten anonym verfassten Anzeige im Juli 2005 tätig wurden. Ebenfalls bekannt wurde, dass es im März 2006 eine Ergänzung zu dieser Anzeige gab. Diese kam, wie die erste Anzeige auch, von Aegis beziehungsweise deren Firmenanwalt Johann-Christoph Gaedertz. Sie erfolgte nach einem Gespräch zwischen dem damals zuständigen Staatsanwalt, dem heutigen Aegis-CEO Andreas Bölte, Anwalt Gaedertz und dem früheren Aegis-Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld.

Durch die Ergänzung sollten die Vorwürfe gegen Ruzicka und die anderen Beschuldigten konkretisiert werden, "damit wir die Sache besser greifen konnten", erklärte die Kommissarin Silke T. vor Gericht. Als Grund dafür, dass auch die Ergänzung der Anzeige anonym verfasst wurde, sei der Beamtin gesagt worden, dass man bei Aegis befürchtete, die Dinge könnten ansonsten "unter den Teppich gekehrt werden". Die Entscheidung, dass Verfahren damals weiter anonym zu führen, sei von der Staatsanwaltschaft getroffen worden.

Für Erstaunen sorgte die Aussage von Silke T., dass sie sich bei der Durchsuchung der Geschäftsräume mehr Unterstützung von Aegis erhofft hätte. "Ich fand das Verhalten komisch", so die Zeugin. So sei von Bölte und Gaedertz darauf bestanden worden, dass für die Durchsuchung der Geschäftsräume der Firma Aegis Media Central Services ein eigener Durchsuchungsbefehl nötig sei.

Gegenüber HORIZONT.NET stellt Gaedertz dies als absolut üblich dar. Als Anwalt habe er nicht zulassen können, dass Firmenräume ohne entsprechenden Beschluss durchsucht werden. Schließlich ging es laut Gaedertz ja auch darum, Kundendaten zu schützen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass er bei der Durchsuchung der Polizei bis in den Abend hinein geholfen habe, Unterlagen zu identifizieren. Von mangelnder Unterstützung könne also keine Rede sein.

Im weiteren Verlauf des Verhandlungstags wurden aus den Akten die Zahlungsströme zwischen Aegis Media, Emerson FF und den mutmaßlichen Firmen Camaco, Ortago und Watson verlesen, über die die vermeintlich veruntreuten Gelder in die Taschen der Beschuldigten geflossen sein sollen. Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt. Auch dann soll es wieder um die Zahlungsströme gehen.
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