Ruzicka-Prozess: David Linn entschuldigt sich

Mittwoch, 20. August 2008
David Linn
David Linn

Im Untreueprozess gegen die beiden Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hat sich der frühere Einkaufsgeschäftsführer Linn zum ersten Mal im Rahmen der Hauptverhandlung zu den Vorwürfen geäußert. Sein Verteidiger Harald Roos verlas eine zehnseitige Erklärung, in der Linn seine Sicht der Dinge schilderte und Verfehlungen einräumte. Beobachter werteten die Erklärung als Geständnis. Ein wichtiger Punkt der Enlassung betraf Linns Rolle bei der mutmaßlichen Tarnfirma Camaco, über die ein wesentlicher Teil der laut Anklage veruntreuten 52 Millionen Euro in die Taschen der Angeklagten geflossen sein soll. Linn schilderte, wie Anfang 2002 Unzufriedenheit in der deutschen Geschäftsführung von Aegis Media darüber aufkam, dass man zwar Rekordgewinne einfuhr, die Gehaltsbonifikationen aber gekürzt wurden. Dagegen wollte man etwas unternehmen - nicht zuletzt, weil die Share-Options der Geschäftsführer aufgrund der schlechten Entwicklung an der Börse deutlich an Wert verloren hatten. Über die Einlösung dieser Aktienoptionen hätten die Geschäftsführer in der 90er Jahren bis zu sechsstellige DM-Summen erzielt.

Bei einem Gespräch zwischen dem damaligen CEO Ruzicka, Linn und Einkaufsgeschäftsführerin Claudia Jackson kam laut Linn die Idee auf, "Aktivitäten im Bereich Sonderwerbeformen zu starten". In diesem Zusammenhang habe Ruzicka die Gründung einer neuen Firma vorgeschlagen und deutlich gemacht, dass dies vertragskonferm sei. "Wir waren damit einverstanden, aber ich habe mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht", so Linn.

Im September 2002 habe ihn Ruzicka dann darüber informiert, dass die Firma Camaco gegründet worden sei. An ihr waren unter anderem Ruzicka, Linn und Jackson beteiligt - auch wenn Linn erklärte, zum damaligen Zeitpunkt nichts von seiner Gesellschafterrolle gewusst zu haben. Auch Ex-Carat-Geschäftsführer Heinrich Kernebeck sollte eingebunden werden.

Im Sommer 2004 kam es dann zu einer Ausschüttung in Höhe 473.000 Euro von Camaco an Linn - deutlich mehr als sein damaliges Bruttojahreseinkommen von bis zu 300.000 Euro. Dieses setzte sich aus einem Monatsgehalt von 20.000 Euro, Dienstwagenpauschale und einem Bonus von bis zu 50.000 Euro zusammen. Da ihn die Höhe der Camaco-Ausschüttung "nachdenklich gemacht habe", habe er das Geld nicht angerührt, sondern auf einem separaten Konto angelegt. Bis 2006 hat Linn insgesamt Sonderzahlungen in Höhe von 1,98 Millionen Euro erhalten.

Wofür er diese Gelder bekommen hat, konnte Linn nicht plausibel machen. Auf Befragung des vorsitzenden Richters Jürgen Bonk räumte er ein, dass er damals davon ausgegangen sei, es handele sich um Bonuszahlungen. Von Ruzicka sei ihm versichert worden, dass alles seine Richtigkeit habe und die Camaco-Gelder im Sinne von Aegis Media verwendet würden. Dazu gehöre auch, "Schlüsselmitarbeiter finanziell zufriedenzustellen". Ruzicka habe damals verärgert auf die Nachfrage reagiert, so Linn. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er keine Leistungen für Camaco erbracht hat. Die Firma habe seines Wissens keine Geschäftstätigkeit entfaltet. Erst später sei ihm bekanntgeworden, dass Beratungsleistungen erbracht worden sein sollen.

Linn wies zudem darauf hin, dass ihm von Ruzicka der Eindruck vermittelt wurde, dieser habe die volle Rückendeckung der Zentrale in London. Dieser Eindruck sei speziell nach einem Gespräch zwischen dem damaligen Konzernchef Douglas Flynn, Ruzicka und Linn entstanden. Darin habe Flynn seine Unterstützung dafür signalisiert, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. "Das hieß für mich, Ruzicka kann frei entscheiden, so lange wir die Ziele erreichen", so Linn. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf Nebengeschäfte der Gründergeneration von HMS beziehungsweise Aegis in Deutschland.

Zum Abschluss seiner Erklärung machte Linn deutlich, dass er bedauere, nicht die Konzernzentrale in London verständigt zu haben. Außerdem mache er sich zum Vorwurf, die Vorgänge nicht unterbunden zu haben. Darüber hinaus betonte er, dass er nie die Absicht hatte, sich auf Kosten von Aegis zu bereichern. Zu guter Letzt folgte eine Entschuldigung an die Adresse der Mitarbeiter von Aegis. Linn verhandelt derzeit mit seinem früheren Arbeitgeber über die Höhe der Schadenswiedergutmachung.
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