Ruzicka-Prozess: Aegis-Boss Jerry Buhlmann tritt in den Zeugenstand

Montag, 12. Januar 2009
Aegis-CEO Jerry Buhlmann wird Ende Januar aussagen
Aegis-CEO Jerry Buhlmann wird Ende Januar aussagen

Der erste Prozesstag im neuen Jahr gegen den einstigen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka dauerte nur eine Stunde. Ruzickas Ehegatte Thomas R. und die Lebensgefährtin des früheren Carat-Chefs Heinrich Kernebeck hatten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und waren nicht vor Gericht erschienen. Doch nach einem Verhandlungsmarathon von einem Jahr scheint ein Ende des Prozesses absehbar. Wie der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk der sechsten Strafkammer am Wiesbadener Landgericht heute erklärte, werden am 26. Januar nur noch zwei Zeugen gehört. Dabei handelt es sich um die von der Strafverteidigung geforderte Befragung von Jerry Buhlmann, der während der Ruzickas Amtszeit Europachef von Aegis Media war und mittlerweile zum Global CEO der Agenturgruppe aufgestiegen ist. Neben ihm wird auch der weltweite Finanzchef von Aegis Media Mark Jamison zu den Vorgängen in der Wiesbadener Agenturguppe befragt.

Über ein angebliches Geflecht von Tarnfirmen soll Ruzicka mit weiteren Beschuldigten 51,2 Millionen Euro bei seinem früheren Arbeitgeber veruntreut haben. „Von Seiten des Gerichts sehen wir das Ende der Sachaufklärung. Sofern sich durch die Befragung der englischen Zeugen keine weltbewegenden Neuigkeiten ergeben, werden wir keine weiteren Zeugen hören", erklärt Richter Bonk. Dies sei allerdings nur unter Vorbehalt zu sehen, denn noch seien nicht alle Beweisanträge der Strafverteidigung beschieden. Will heißen, es ist wohl noch mit weiteren Beweisanträgen von Ruzickas Verteidiger Marcus Traut zu rechnen, über deren Zulassung die Kammer entscheiden muss.

Sollte die Kammer aber zu dem Schluss kommen, dass diese Anträge keinen weiteren Beitrag zur sachlichen Aufklärung des Verfahrens beitragen können, ist wohl schon Ende März mit einem Urteil gegen Ruzicka und den mitangeklagten ehemaligen Aegis-Einkaufschef David Linn zu rechnen. Im Höchstfall droht Ruzicka eine Haftstrafe von 15 Jahren. ejej
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