Ruzicka-Affäre: Aegis fordert Millionen von Wunschkind

Donnerstag, 08. Januar 2009
Ralf Tippelt hat Post von Aegis Media bekommen
Ralf Tippelt hat Post von Aegis Media bekommen

Bei der Wiesbadener Werbeagentur Wunschkind ist dieser Tage ein Mahnbescheid von Aegis Media eingegangen. Darin fordert die ebenfalls in Wiesbaden ansässige Mediaagenturgruppe 7,5 Millionen Euro Schadensersatz. Aegis-Anwalt Johann-Christoph Gaedertz begründet diese Forderung mit dem juristischen Terminus „ungerechtfertigte Bereicherung“. Diese vermeintliche Bereicherung steht im Zusammenhang mit der Prozess gegen Aleksander Ruzicka, der bei seinem früheren Arbeitgeber Aegis Media 51,2 Millionen Euro veruntreut haben soll. Laut Anklageschrift sind davon 9 Millionen Euro über die Werbeagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) abgeflossen. Sowohl Agenturgründer Reinhard Zoffel als auch dessen Kompagnon Volker Hoff wurden als Zeugen im Ruzicka-Prozess geladen, wiesen aber jegliche Beteiligung an einer Veruntreuung von sich.

Hoff, der 2006 zum Europaminister der hessischen Landesregierung ernannt wurde, verkaufte seine Anteile an ZHP im selben Sommer an Wolfgang Steiger. Aus ZHP wurde daraufhin die Zoffel Steiger Gruppe. Nach den negativen Schlagzeilen, die der Ruzicka-Prozess mit sich brachte, verkaufte auch Zoffel Ende 2007 seine Anteile an der Werbeagentur und schied offiziell als Gesellschafter aus.

Die Zoffel Steiger Gruppe wurde daraufhin in Wunschkind umbenannt. Sie wird vom Vorstandsvorsitzenden Ralf Tippelt geführt. Bislang hat er keine Stellungnahme zu den Forderungen von Aegis abgegeben. Gegenüber HORIZONT.NET wollte er sich nicht telefonisch äußern und bat um eine schriftliche Anfrage.

Laut Rechtsanwalt Gaedertz musste Tippelt allerdings mit dem aktuellen Mahnbescheid rechnen, da alle angestrengten Verhandlungen von Aegis mit Wunschkind ohne Ergebnis blieben. Wie Gaedertz weiter ausführt, sei dieser Mahnbescheid die schnellste Möglichkeit gewesen, „die Verjährung zu unterbrechen“. Noch in diesem Frühjahr will Aegis einen Zivilprozess vor dem Wiesbadener Landgericht gegen Wunschkind anstrengen.

Trotz der Umfirmierung der Werbeagentur und dem offiziellen Ausstieg der beiden Gründer Zoffel und Hoff ist Wunschkind laut Gaedertz noch immer rechtsidentisch mit der früheren Gesellschaft. Wunschkind führe nach wie vor den selben Eintrag im Handelsregister wie einst ZHP. Um Schadensersatzforderungen wie denen von Aegis entgehen zu können, hätten ZHP oder die Nachfolgefirma Zoffel Steiger Gruppe komplett liquidiert werden müssen.

Trotz des laufenden Verfahrens gegen Ruzicka wurde dies versäumt. Dem Vernehmen nach soll Zoffel noch immer ein Büro unter der Adresse von Wunschkind haben. ejej
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