Ringen um Design-Ranking: Agenturen bewerten Awards

Freitag, 18. Februar 2011
Strichpunkt-Chef Jochen Rädeker fordert Neubewertung von Awards
Strichpunkt-Chef Jochen Rädeker fordert Neubewertung von Awards

Die Kritik will nicht verstummen: Vor vier Jahren bereits hat "Fidius", eine private Initiative von Anwälten und Designern, den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland als "unfairen Wettbewerb" gebrandmarkt: zu teuer seien die Kosten für Sieger, zu undurchsichtig das Prozedere. Nun stoßen sechs Agenturen unter Federführung von Strichpunkt-Chef Jochen Rädeker ins gleiche Horn: "Dieser Award", konstatieren sie in einer Expertise, "ist einer der umstrittensten in der Branche." Rädeker lud nach der Verleihung des Bundespreises in Frankfurt zur Award-Schelte. Im kleinen Kreise stellten neben Rädeker Vertreter von Hauser Lacour, KMS Team und Mutabor ihre Sicht auf das "Bestätigungs-Business" dar. In ihrer Bestandsaufnahme haben sie keine Zweifel: Immer mehr rein gewinnorientierte Anbieter tummelten sich auf dem Markt. Und das betreffe eben auch einst seriöse Veranstalter von Wettbewerben. Die Folge sei, dass Agenturen den Überblick verlieren: "Die Angebote sind explodiert – inklusive der Beteiligungs- und Veröffentlichungsfees."

Um der Kostenexplosion Einhalt zu gebieten und mit dem Ziel, Kriterien für ein Kreativ-Ranking der Designagenturen zu finden, haben sie mit zehn weiteren Agenturen, darunter Meta Design und Fuenfwerken, eine Bewertung der diversen Kreativwettbewerbe vorgenommen. Die Erhebung, bei der Gewinnerquote und Gesamtkosten einer Siegerarbeit von Wettbewerben aufgelistet werden, hat ein eindeutiges Resultat: Der Red Dot Award, den die Essener Red Dot GmbH auslobt, erhielt 26 von 28 erreichbaren Punkten, der Wettbewerb des ADC konnte immerhin 19 Punkte auf sich vereinen, der Bundespreis schaffte es nicht mal auf die Liste. Doch welche Aussagekraft kann eine Umfrage haben, deren Basismaterial, das HORIZONT vorliegt, erhebliche methodische Mängel aufweist? Mal werden bei einzelnen Awards, dem Bundespreis etwa, falsche Nominierungszahlen und Auszeichnungsquoten zugrunde gelegt. Bei anderen Wettbewerben sind Folgekosten nicht berechnet.

Fragen bleiben. Haben sich wirklich alle namhaften Designagenturen beteiligt? Warum sind Heine, Lenz, Zizka, immerhin Nummer 1 im letzten Design-Kreativranking, nicht befragt worden? Oder Hesse Design und Eden-Spiekermann? Klaus Hesse, Chef von Hesse Design, zeigt sich auf Befragen souverän: "Ich bin über 18 und weiß selbst, welche Wettbewerbe wichtig sind." Und Erik Spiekermann mag die Präferenz für den Red Dot nicht teilen: "Da würde ich nie mitmachen, mir geht’s um Qualität statt Quantität." Diese ersten Reaktionen zeigen: Um schlüssige Kriterien für ein Design-Ranking muss noch gerungen werden. fw 
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