Publicis-Chef Steven Althaus: Status quo ist keine Option

Donnerstag, 16. September 2010
Publicis-Chef Steven Althaus
Publicis-Chef Steven Althaus

Der neue Publicis-Chef Steven Althaus setzt den Umbau der Agenturgruppe fort. Nachdem vorige Woche die neue Führungsstruktur präsentiert wurde, werden nun weitere Details bekannt. Das Network löst die zuletzt knapp 15 Einzel-GmbHs auf und arbeitet künftig nur noch mit einer einzigen Gesellschaft: Publicis Deutschland. Unter deren Dach sind die Standorte Frankfurt, Erlangen, Hamburg, Berlin, München sowie die Digitalmarke Publicis Modem angesiedelt. Das Gleiche gilt für die Tochter D-Pole. Sie ist keine eigene GmbH mehr, soll aber als selbstständige Einheit bestehen bleiben. Die jeweiligen Standortchefs treten formal nicht mehr als Geschäftsführer auf, sondern als Niederlassungsleiter. Intern firmieren sie als Managing Directors.

Den Plan zur Vereinfachung der Gruppenstruktur gibt es offenbar schon länger. Er wurde bislang aber nicht umgesetzt. Ein Grund für die Bereinigung dürfte sein, dass die Analysten von der börsennotierten Muttergesellschaft Publicis Groupe auch in den einzelnen Ländern einfachere Strukturen erwarten.

Inwieweit das neue Modell die Gruppe besser führbar macht, muss sich zeigen. Fakt ist, dass Handlungsbedarf besteht. Die Niederlassungen in Frankfurt und Erlangen haben im vorigen Jahr rote Zahlen geschrieben. Das Büro am Main weist einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro aus. In Erlangen steht ein Verlust von 3,8 Millionen Euro in den Büchern. Die Hamburger Filiale meldet zwar einen Überschuss, die Marge liegt mit knapp 5 Prozent aber weit unterhalb der Vorgaben der Holding. mam

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Steven Althaus: "Abgänge haben nichts mit meiner Person zu tun"
Steven Althaus: "Abgänge haben nichts mit meiner Person zu tun"
Herr Althaus Sie werden Ihrem Ruf, hart durchzugreifen, schnell gerecht. Kaum sind Sie da, gehen altgediente Manager der Publiscis-Gruppe von Bord - zuletzt Peter Wendt. Zur Klarstellung: Die Abgänge haben nichts mit meiner Person zu tun. Es gab ein ausführliches Assessment, durch das wir ein Sollprofil für die Gruppe entwickelt haben - mit Konsequenzen für die Aufstellung, Struktur und das Management der einzelnen Standorte. Peter Wendt hat für sich entschieden, dass er diesen Schritt nicht mitgehen will. Das muss man respektieren.

Hat er das Assessment nicht bestanden? Nein! So etwas zu behaupten wäre unfair und respektlos ihm gegenüber - und es ist auch nicht wahr. Er möchte einfach nicht Teil dessen sein, was wir jetzt umsetzen.

Und das wäre? Wir müssen zu einer starken und zentralen Führung mit nachvollziehbarer Struktur und Transparenz kommen. Das kann man über eine mehrköpfige Führung mit breit aufgestelltem C-Level versuchen oder über die Stärkung der einzelnen Standorte. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Das löst die übergeordneten Funktionen auf - bis auf meine, den Finanzchef und den künftigen Kreativchef.

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Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 37/2010 vom 16. September.

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Was heißt in diesem Zusammenhang eigentlich "wir" - Pluralis Majestatis oder wirklich die Führungsmannschaft? Wir heißt das Team. Ich habe lediglich drei Punkte vorgegeben. Erstens: Die Beibehaltung des Status quo ist keine Option. Zweitens: Wir müssen uns am Markt und an unseren Kunden orientiert aufstellen. Drittens: Wir bauen keine Organisationen um Personen herum. Mit diesen Prinzipien sind wir in die Bestandsaufnahme gegangen und zu den jetzt vorgestellten Ergebnissen gekommen. Es lief nicht nach dem Motto, Steven Althaus kommt, schaut sich die Lage kurz an und weiß danach, wie es geht.

  
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