Publicis-Chef Lévy zur Euro-Krise: Auch Werbeagenturen haben schlechten Job gemacht

Mittwoch, 26. September 2012
Publicis-Chef Maurice Lévy
Publicis-Chef Maurice Lévy

Laut Publicis-CEO Maurice Lévy tragen neben der Politik und den Medien auch die Werbeagenturen Verantwortung dafür, dass Europa derzeit ein gewaltiges Image- und Akzeptanzproblem hat. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärt der Holdingchef: "Das Problem ist, dass sich die Menschen eben immer noch als Deutsche, Franzosen oder Italiener und nicht als Europäer fühlen. Deswegen fehlt es an Solidarität in und für Europa. Offenbar haben die Politiker einen schlechten Job gemacht - ebenso wie diejenigen, die diese Politik vermitteln: Journalisten und ja, auch Werbeagenturen." Das Ideal eines vereinten Europa schlage sich in der alltäglichen Lebenswelt nicht nieder. Sich selbst bezeichnet der 70-Jährige als "militanten Europäer". Lévy: "Alle meine Entscheidungen treffe ich als Europäer. Ich reise viel herum, überall in Europa fühle ich mich zu Hause."

Auch über die durchwachsene Entwicklung seiner Agenturgruppe im deutschen Markt äußert sich der Holding-CEO in dem Gespräch. "Ja, wir hatten ziemlich harte Zeiten in Deutschland. Damals haben wir uns eingebildetet, dass wir unsere Kultur einfach in andere Länder exportieren könen. Das war ein großer Fehler." Daraus habe man aber gelernt. "Heute läuft es besser. In Deutschland steigt unser Umsatz." Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende Juli gehörte Deutschland noch zu den Ländern, in denen Publicis eigenen Angaben zufolge Umsatz verloren hat.

Laut Lévy sind weitere Akquisitionen denkbar, auch hierzulande. 2012 hat Publicis in Deutschland bereits die Agenturen Pixelpark und CNC gekauft - womöglich nicht die letzten Übernahmen. "Wenn ein Raucher verspricht, dass dies seine letzte Zigarette ist, dann sollten Sie vorsichtig sein. Wir wollen vor allem aus eigener Kraft wachsen. Aber wenn sich eine interessante Gelegenheit bietet, werden wir nicht zögern", sagt Lévy. International hat Publicis zuletzt die Übernahme der Digitalagentur LBi angekündigt - für mehr als 400 Millionen Euro. mam 
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