Publicis / Pixelpark: "Keine beliebig austauschbare Werbebutze"

Freitag, 29. Juni 2012
Neuer Partner: Steven Althaus, Horst Wagner und Dirk Kedrowitsch (v.l.)
Neuer Partner: Steven Althaus, Horst Wagner und Dirk Kedrowitsch (v.l.)

Ende März hat die französische Publicis-Holding 78 Prozent der Anteile an der deutschen Digitalagenturgruppe Pixelpark übernommen - für geschätzt 24 Millionen Euro. Bei der Übernahme wurde angekündigt, dass Pixelpark zwar unter eigenem Namen, aber eng mit der deutschen Niederlassung von Publicis zusammenarbeiten soll. Details wurden nicht genannt. Auch der CEO der deutschen Publicis-Gruppe Steven Althaus und die beiden Pixelpark-Vorstände Horst Wagner und Dirk Kedrowitsch wollten bisher nicht öffentlich über die geplante Zusammenführung der Agenturen reden. In einem Exklusvinterview mit HORIZONT äußern sich die drei Manager jetzt erstmals zu dem Deal und den weiteren Plänen. So kündigen sie unter anderem eine Zweimarkenstrategie für beide Grupen an: Publicis und Red Lion auf der einen sowie Pixelpark und Elephant Seven auf der anderen Seite. Die Pixelpark-Marke Yellow Tomato (Performance Marketing) wird bei Pixelpark integriert. mam

Lesen Sie im Folgenden Auszüge aus dem Interview. Das vollständige Gespräch finden Sie in HORIZONT-Ausgabe 26/2012 vom 28. Juni.

Ende März hat Publicis die Mehrheit an Pixelpark übernommen. Warum haben Sie sich einem Network angeschlossen? Networks sind in Deutschland derzeit ja nicht gerade en vogue.
Horst Wagner: Weil wir von den Vorteilen überzeugt sind, die uns ein strategischer Investor wie Publicis bietet. Das gilt für das Thema Internationalisierung, aber auch für den Ausbau unseres Angebots. Publicis und Pixelpark ergänzen sich ideal. Hinzu kommt: Wir haben die gleiche Markteinschätzung. Beide Gruppen sehen sich in erster Linie als Wertschöpfungspartner ihrer Kunden und nicht als Werbedienstleister.

Dirk Kedrowitsch: Ein weiterer Grund ist: Allein sind wir zu klein. Wir sind zunehmend mit Themen konfrontiert, bei denen wir an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen – national wie international. Mit Publicis haben wir deutlich mehr Substanz in wichtigen Bereichen, in denen wir bislang noch nicht so stark aufgestellt sind. Es geht also um zwei Faktoren: Größe und Qualitätssteigerung.

Und was ist der Reiz für Publicis?
Steven Althaus: Wir verstärken uns mit einem Partner, der mit seiner Sicht auf den Markt und seinem Angebot perfekt zu uns passt. Darauf haben wir von Anfang an hingearbeitet. Wir wollten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es wieder ein Vertrauen in den deutschen Markt gibt – und die Bereitschaft, hier zu investieren. Ein Beispiel: In der neuen Konstellation können wir unsere dezentrale Struktur zu einem echten Vorteil machen. Wer sich als Wertschöpfungspartner seiner Kunden positioniert, braucht die lokale Nähe zu ihnen. Dafür sind wir mit unseren zusammen sieben deutschen Standorten ideal aufgestellt.

Erhoffen Sie sich von der Übernahme nicht auch, das Profil von Publicis zu schärfen? Hier gibt es Nachholbedarf.
Althaus: Profillosigkeit kann ich nicht erkennen. Schauen Sie sich unsere Kundenliste an. Wie alle anderen Agenturen auch müssen wir uns den Respekt und das Vertrauen täglich neu erarbeiten. Bei uns wird in allen Bereichen – ob Publishing oder Dialog, Digital oder im Eventbereich, ob für Konsumgüter- oder B-to-B-Kunden – Hervorragendes geleistet. Wir haben knapp 3 Millionen Euro an Neugeschäftsvolumen gewonnen. Sie haben aber dahingehend recht, dass wir das nicht an die große Glocke hängen.

Ihre Bescheidenheit ehrt Sie. Aber es kann doch nicht Ihr Ziel sein, dass keiner weiß, was Ihre Agenturgruppe macht.
Althaus: Während einer Restrukturierung und Neuausrichtung nicht ständig im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen, ist durchaus ein Vorteil. Es ist wichtig, sich auf Kunden und Mitarbeiter zu konzentrieren. Ich halte diese uneitle und wertorientierte Einstellung für ein gemeinsames und sehr wesentliches Merkmal unserer Organisationen. Insofern haben wir durch die Zusammenarbeit mit Pixelpark ideale Voraussetzungen, um den nächsten Schritt zu machen.

Zuletzt wurde gerätselt, wie Sie die Zusammenarbeit organisieren. Bleibt Pixelpark als eigenständige Agenturgruppe erhalten – wie Commarco nach der Übernahme durch WPP – oder gibt es eine Fusion mit Publicis Deutschland?
Wagner: Wir arbeiten operativ eng zusammen, bleiben vorerst aber gesellschaftsrechtlich getrennte Einheiten. In der Praxis sind wir eigentlich schon eine Firma. Das Management beider Gruppen trifft sich regelmäßig zum Austausch. Auch auf der Arbeitsebene wird intensiv kooperiert. In Städten, in denen beide präsent sind, werden wir in einem Gebäude sitzen. Und dort, wo bislang nur eine der beiden Gruppen vertreten ist, werden wir die Gene der anderen verankern – ohne dass wir zwangsläufig überall ein eigenes Büro eröffnen.

Kedrowitsch: Ich will das an einem Beispiel erklären. Wir hatten damit begonnen, Listen zu erstellen, für welche Kunden wir kooperieren könnten. Damit haben wir schnell wieder aufgehört, weil sich die Zusammenarbeit im Tagesgeschäft von allein entwickelt. Wir können zwar noch keinen Case vorstellen, aber die Teams tauschen sich intensiv aus und agieren absolut auf Augenhöhe.
 
Althaus: Man kann die Antwort noch etwas genauer geben, wenn man den Wortlaut der Pressemitteilung zur Übernahme liest. Dort steht, dass Pixelpark Teil von Publicis Worldwide werden soll – und nicht etwa Teil von Digitas, Razorfish oder deren Vivaki-Gruppe. Das heißt, die Entscheidung, was mit der neuen Holding-Tochter geschieht, ist gefallen. Publicis Worldwide, im konkreten Fall Publicis Deutschland, und Pixelpark werden den Markt gemeinsam bearbeiten.

Aber wäre es nicht konsequent, dafür die Einheiten zusammenzulegen?
Kedrowitsch: Nicht unbedingt. Wir werden uns jedenfalls nicht mit der Frage beschäftigen, ob und wie wir das Thema digital bei Publicis integrieren. Das hat nämlich längst stattgefunden. Die Agentur arbeitet bereits komplett digital, vor allem am Standort München. Denen müssen wir nichts erklären, nach dem Motto: Wir zeigen euch mal, wie das Internet funktioniert.

Wagner: Sinn der Sache ist nicht, irgendwelche Einheiten zusammenzulegen. Es geht darum, der Bedeutung heutiger Geschäfts- und Vertriebsprozesse gerecht zu werden. Wir wollen unsere Kunden dabei begleiten, ihre Marken und Produkte aufzubauen, zu kommunizieren und direkt im Netz zu verkaufen. Wer dafür ein glaubwürdiges Angebot machen kann, löst sich auch aus der Abwärtsspirale ständig sinkender Honorare. Weil er Partner seiner Kunden ist – und keine beliebig austauschbare Werbebutze.
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